Klappentext

Aus dem Französischen von Daniel Fastner. Berlin ist keine Stadt, Berlin ist eine Verheißung. Menschen von überall her strömen in die angesagteste Metropole der Welt, um dem Versprechen von Hedonismus, Kreativität und Freiheit nachzujagen. Doch dieses Zentrum lebenskünstlerischer Avantgarde bildet in Wirklichkeit nur den Vorposten einer neuen Herrschaftsform, kritisiert der italienische Philosoph Francesco Masci in seinem streitbaren Essay: Eine absolut gewordene Kultur assimiliert jedes politische Denken und Handeln; die von der Vergangenheit so gezeichnete Stadt verabschiedet sich aus der Geschichte. Was bleibt, sind leere Individuen, die ihre fiktiven Subjektivitäten feiern - und sich umso leichter beherrschen lassen. Ein Theorie-Projektil gegen den Berlin-Hype. Und ein Signal an alle Berghain-Gänger, 1. Mai-Randalierer und Offspace-Künstler: Die Party ist vorbei.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.05.2014

Der Gestus von Francesco Mascis "Die Ordnung herrscht in Berlin" ist nicht neu, weiß Alexander Cammann: der "Moloch Großstadt" soll als Verkörperung einer fehlgehenden Kultur enttarnt werden. Doch was zeitgenössische Kulturkritik angeht, ist Mascis Buch immerhin eine der spannenderen Lektüren, lobt der Rezensent, auch wenn er das stilistische Raunen stellenweise unnötig verschwurbelt findet. Masci beschreibe "die totale Entertainisierung der Stadt", die alle politischen und ökonomischen Differenzen in Trends und Modefragen auflöse, erklärt Cammann. Die Partywelt Berlins suggeriert die absolute Freiheit von Herrschaft, die sie deshalb umso mehr festigt - irgendwie erinnert das Buch den Rezensenten an eine auf Berlin gemünzte Neufassung der Passagen über die Kulturindustrie in Horkheimers und Adornos "Dialektik der Aufklärung".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.04.2014

Vielleicht liegt es daran, dass ihm nicht immer ganz klar geworden ist, was Francesco Masci eigentlich hat sagen wollen, meint Gustav Seibt, jedenfalls ist er von dessen kleiner Kulturkritik "Die Ordnung herrscht in Berlin" gleichzeitig genervt und gelangweilt. Genervt ist der Rezensent, weil Masci sich in anmaßendem, agambenhaftem Gemurmel ergeht, mit dem er den "Sieg der 'absoluten Kultur'" - bestehend aus Ökonomie, Kunst und Moral - über den "Nomos der Politik" verkündet, wofür ihm Clubs wie das Berghain, die "Tempel angeblich entfesselter Lust", als Beispiel dienen. Gelangweilt ist Seibt, weil der Autor eigentlich nur eine recht banale Kulturkritik wiederholt, die sich harmlos im kulturkritischen Singsang Berlins verlieren dürfte, vermutet der Rezensent. Was im Regierungssitz einer der reichsten Industrienationen der Welt an wirklich Kritik- und Analysewürdigem passieren könnte, scheint an Masci vorbei gegangen zu sein, bedauert Seibt.
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