Klappentext

Herausgegeben von Hanni Mittelmann. Der Band umfasst eine Auswahl von Albert Ehrensteins Schriften zur Literatur und Kunst, Politik, Gesellschaft, Staat und Religion, sowie einige seiner autobiografischen Texte und ist von zentraler Bedeutung für das Verständnis des Autors. Die Feuilletons, Rezensionen, Essays, Aufrufe und Polemiken vermitteln in ihrer Gesamtheit das ästhetische Programm des Dichters und Menschen Ehrenstein, das sich aus seinem ethischen Denken entwickelt. Aus dem vorliegenden Material ergaben sich vier zeitliche Einschnitte: "Zum Literaturbetrieb in Wien und Berlin", "Zwanziger und dreißiger Jahre", "Der erste Weltkrieg", und "Exil". In einem fünften Abschnitt wurden unter dem Titel "Mißbrauch der Macht", den Ehrenstein seiner nicht vollendeten Autobiografie geben wollte, einige seiner autobiografischen Aufsätze zusammengestellt. Eine Zeittafel und ein Nachwort der Herausgeberin beschließen den Band.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.10.2004

Als "späte Entdeckung" würdigt Rezensent Andreas Kilcher die Essays Albert Ehrensteins, die nun in einem lang erwarteten Bands vorliegen. Zwar ließ schon eine kleinere Sammlung seiner Aufsätze aus den 1960er Jahren Kilcher zufolge erahnen, dass Ehrenstein nicht nur ein "bewegender Erzähler und Lyriker" war, sondern auch ein "hervorragender Beobachter" von Literatur, Gesellschaft und Politik. Die nun vorliegende Ausgabe von Hanni Mittelmann, wesentlich umfangreicher und kommentiert, aber präzisiere den "kritisch und satirisch kommentierenden Beobachter" des literarischen und politischen Lebens seiner konflikt- und ereignisreichen Epoche - vom Ersten Weltkrieg über die Zwischenkriegszeit bis zur Nazizeit und zum Exil. Neben dem ersten Weltkrieg, gegen den Ehrenstein mit "Zentralbegriffen" der expressionistischen Generation wie "Brüderlichkeit", "Internationalität", "Pazifismus" anschrieb, nennt Kilcher das Judentum als Thema von zahlreichen Essays. Dabei habe Ehrenstein sowohl gegenüber dem Zionismus als auch gegenüber der Assimilation oft in "satirisch überspitzer Polemik" kritisch gezeigt. Fazit des Rezensenten: "Ehrensteins Essays vermögen zu entzünden und zu begeistern".