Georg Simmel

Georg Simmel: Gesamtausgabe. Band 23

Briefe 1912-1918: Jugendbriefe

Klappentext

Bearbeitet und herausgegeben von Ottheim und Angela Rammstedt. Mit Simmels Briefen von 1912 bis 1918 wird der zweite und letzte Teil seines Briefwerks vorgelegt. Dank der größeren Dichte der Überlieferung, die der 1914 erfolgten Berufung nach Straßburg geschuldet ist, sind Leben und Denken Simmels hier nun umfassend und detailliert dokumentiert. Zudem scheint Simmel aufgrund der räumlichen Distanz zu seinem privaten und wissenschaftlichen Bezugsfeld und insbesondere nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs, der ihn in die Festungsstadt Straßburg bannte, seine Isolation via Korrespondenz überwinden zu wollen. Auf eng beschriebenen Postkarten und in unverschlossenen Briefen, u.a. an Bergson, Buber, Rickert und Tucholsky, bringt Simmel hier zum Ausdruck, was sich an Persönlichem und Sachlichem unter den Bedingungen der seit dem 1. August 1914 herrschenden Zensur für sämtliche von und nach Straßburg gehende Korrespondenz sagen ließ.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.09.2008

Rezensent Ralf Konersmann begrüßt die nun im Rahmen der Gesamtausgabe der Werke Georg Simmels erschienenen Bände 22 und 23 mit der Korrespondenz des Philosophen und Soziologen. Er würdigt die zuverlässige Arbeit der Herausgeber, denen er bescheinigt, Konstellationen und Voraussetzungen der Korrespondenz dem Leser nahezubringen. Die Briefe verdeutlichen für Konersmanns, wie Simmel immer wieder von Kollegen an den Rand gedrängt wurde. Sie werfen seines Erachtens auch ein neues Licht auf die kurze Kriegsbegeisterung Simmels sowie auf sein Schwanken zwischen Philosophie und Soziologie und belegen, dass er sich im Zweifel als Philosoph verstand. Konersmann bedauert, dass wichtige Teile des Briefwechsels, darunter Korrespondenzen mit Sombart, Bergson, Goldschmidt, Durkheim oder Cassirer, verloren sind. Die erhaltenen Bruchstücke scheinen ihm gleichwohl "aussagekräftig und erhellend". Simmels Selbsteinschätzung, kein großer, ja überhaupt kein Briefschreiber zu sein, findet Konersmann durch vorliegende Bände jedenfalls widerlegt. Das genaue Gegenteil scheint ihm der Fall: "Nicht wenige seiner Briefe sind kleine literarische Kostbarkeiten".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.05.2008

Angetan zeigt sich Gustav Falke von den Briefen Georg Simmels aus den Jahren 1912 bis 1918, die im Rahmen der Gesamtausgabe erschienen sind. Zwar verhehlt er nicht, dass der Band in Hinblick auf Simmels Leben und Werk zu dieser Zeit - etwa zum Ende seiner Mitarbeit an der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, seiner Berufung nach Straßburg oder seiner lebensphilosophischen Wende  - nichts Neues bringt. Auch findet er in dem Band weder Klatsch und Tratsch noch Polemik. Aber die Briefe vermitteln für ihn auf berührende Weise, "was für ein ungemein freundlicher Mensch Simmel war". Am Beispiel mehrerer Briefausschnitte äußert sich Falke bewundernd über Simmels Taktgefühl, Verständnis, Kompromissbereitschaft, Besonnenheit und Integrität - auch und gerade in heiklen Angelegenheiten.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de