Fische im Trüben
Roman

Transit Buchverlag, Berlin 2025
ISBN
9783887474201
Gebunden, 200 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Elli Unruh erzählt die Geschichte einer deutsch-mennonitischen Familie, die bis Ende der achtziger Jahre in der Sowjetunion, im südlichen Kasachstan, lebte. Sie taucht ein in die Zeit ihrer Vorfahren, Großeltern und Eltern und schildert das Leben von Menschen, die durch den Lauf der Geschichte und ständig wechselnde Lebensumstände und -orte nicht mehr aus noch ein wissen, aber in Traditionen, Religion und eigener Sprache Halt finden. Geschrieben in einer einfachen, poetischen Sprache, die angereichert wird durch das Deutsch, das die Mennoniten aus Westpreußen nach Russland mitgebracht hatten - das Plautdietsch, das bis heute gesprochen wird. Das alles vor dem Hintergrund einer unbekannten, wunderschönen, fruchtbaren Landschaft mit riesigen Apfelplantagen, wilden Flüssen und weiten Steppen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 13.01.2026
Dieser Debütroman der 1987 in Kasachstan geborenen, dann aber nach Deutschland ausgewanderten Autorin führt die angetane Rezensentin Judith von Sternburg in eine Steppe im Süden Kasachstans der Achtziger-Jahre. Dort lebt Kocha mit seiner Familie als Teil einer mennonitischen Gemeinde, resümiert die Kritikerin. Der Text erzähle ruhig und sinnlich vom Alltag der unter anderem auf einer Apfelplantage tätigen Familie und vermische dabei die herrschende Sprachvielfalt, zu der abseits von Deutsch und Russisch auch das seltene Plautdietsch (auch Mennoniten-Plattdeutsch) gehöre. In lose aneinandergereihten Kapiteln, die sich sowohl aus Porträts als auch aus Anekdoten zusammensetzen, wird der Text zu einem Speicher für die kollektive Erinnerung dieser engen Gemeinschaft, analysiert von Sternburg. Erinnerungen an vergangene Hungerzeiten wechseln sich geschickt mit Ausreisebestrebungen in einer alles gegenwärtig erscheinenden Sprache ab, lobt die Rezensentin die "Poesie der Nüchternheit" dieses sehr lesenswerten Erstlings.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 26.09.2025
"Als habe sie nie etwas anderes getan", erzählt Elli Unruh in ihrem Debütroman - so lebensnah, so eindrücklich, so stimmungsvoll und unmittelbar, lobt Rezensent Jörg Plath. Die in Kasachstan geborene, in Süddeutschland lebende Autorin bleibt in Ton und Perspektive nah an ihren Figuren und deren Erleben, dabei bedient sie sich einer eigentümlichen Kunstsprache, einer Mischung aus altertümlichem Deutsch und russischen Entlehnungen - die Sprache der Mennoniten, lernt Plath, einer deutschsprachigen Minderheit im Russischen Reich, die in der Sowjetzeit jedoch zunehmend unter Druck geriet und schließlich von der Krim und aus dem Wolgagebiet, wo die meisten lebten, nach Sibirien und Kasachstan deportiert wurde. Davon und vom ländlichen Alltag einer kleinen Mennoniten Gemeinde erzählt Unruh, stimmungsvoll und dennoch frei von Sentimentalität, lesen wir. Ein ganz "erstaunliches" Debüt, so der beeindruckte Rezensent.