Johannes Bobrowski

Levins Mühle

34 Sätze über meinen Großvater. Roman
Cover: Levins Mühle
Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2015
ISBN 9783803132741
Broschiert, 224 Seiten, 17,9 EUR

Klappentext

Bobrowski hat seinen Roman im Westpreußen von 1874, im Kaiserreich, nicht weit von Thorn, angesiedelt. Er erzählt uns von der sehr besonderen Landschaft, von den Wiesen, den Wäldern und den Flüssen; er erzählt von den Tieren dort, den Pferden, den Schweinen und den Vögeln, die allein in unzähligen Arten vorkommen, seien es zarte Schwalben oder fette Gänse. Und er erzählt von den Menschen. Da sind die katholischen Polen, Juden, Zigeuner mit Geige, Vaganten, Kossäten, und natürlich die Deutschen, Baptisten, Adventisten, Methodisten. Ein lebhaftes Durcheinander. Die Geschichte, um die es geht, ist einfach: Der Großvater des Erzählers, Mühlenbesitzer und Deutscher, von dem es heißt, er leide an der Galle, hat das Wasser gestaut und dann die Mühle seines Konkurrenten, des Juden Levin, der wiederum am Herzen leidet, weggespült. Und weil sich der Levin das nicht gefallen lassen will, klagt er vor Gericht in der Stadt. In gemütlichem Tonfall erfahren wir diese spannungsgeladene Geschichte. Schnell sind wir mittendrin, hören den Leuten zu, so wie sie eben reden, maulfaul und redselig zugleich, hören ihren Dialekt und unbekannte, klingende Worte. Vor uns tut sich ein Reichtum an Sprache und Geschichten auf, wie er uns selten begegnet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.09.2015

Als Beispiel einer deutschen Nachkriegsliteratur von Rang bezeichnet Jochen Schimmang Johannes Bobrowskis neu aufgelegten Roman. Dass der Text außerdem hochaktuell ist, weil es darin außer um wirtschaftliche Macht und Provinzfürstentum auch um Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus geht, macht Schimmang deutlich. Was als Humoreske beginnt, wird laut Rezensent schnell zum ungemütlichen Kriminalfall, als der Großvater des Erzählers die jüdische Konkurrenz sabotiert. Dass der Autor nicht belehren oder schwarzweißmalen will, sondern mit viel Ironie komplizierten Verhältnissen zwischen Gut und Böse gerecht zu werden sucht, rechnet ihm der Rezensent hoch an.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.09.2015

Lothar Müller erklärt, wie Johannes Bobrowski den nordöstlichen Winkel Deutschlands in den Atlas der internationalen Poesie einschrieb. Anlässlich der Neuauflage von Bobrowskis Roman 50 Jahre nach dem frühen Tod des Autors und 25 Jahre nach der Wiedervereinigung zeichnet Müller die Wirkungsgeschichte des Autors nach, von Christa Wolf, Sarah Kirsch, über die Mitglieder des Friedrichshagener Dichterkreises bis hin zu Kathrin Schmidt, Ingo Schulze und Durs Grünbein und weiter zu den Lesern und Schreibern außerhalb der DDR, Hubert Fichte etwa. Mit der Geschichte vom Großvater, der dem Juden Levin die Mühle zerstört, lässt uns Müller leider allein.
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