Ira Peter

Deutsch genug?

Warum wir endlich über Russlanddeutsche sprechen müssen
Cover: Deutsch genug?
Goldmann Verlag, München 2025
ISBN 9783442317776
Gebunden, 256 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Hier Russen, dort Deutsche. Sie wählen rechts, sprechen nur russisch und unterstützen Putin? Solchen und anderen Vorurteilen sehen sich russlanddeutsche (Spät-)Aussiedler ausgesetzt. An aufrichtigem Interesse und Wissen um die bewegte Historie der rund 2,5 Millionen in Deutschland lebenden Russlanddeutschen mangelt es in unserer Gesellschaft. Ira Peter, die mit ihrer Familie als Neunjährige von Kasachstan nach Deutschland umsiedelte, beschreibt anhand ihrer eigenen bewegten Biografie die Erfahrungen und Konflikte der Russlanddeutschen - von der Scham über die sowjetische Herkunft über die fatalen Folgen kurzsichtiger Integrationspolitik bis hin zur "Anfälligkeit" für russische Einflussnahme wirft sie einen kritischen und zugleich feinfühligen Blick auf die von der Mehrheitsgesellschaft oft als fremd empfundenen Deutschen. Sie erklärt, wie die doppelte Diktaturerfahrung unter Stalin und Hitler Russlanddeutsche bis heute prägt und manche anfällig für völkisches Denken macht. Gleichzeitig zeigt Ira Peter, wie heterogen die Gruppe ist und warum "Deutschsein" für sie heute kein Kriterium mehr ist, um deutsch zu sein.Ein Buch, das nicht nur die Geschichte der Russlanddeutschen beleuchtet, sondern auch zum Nachdenken über (deutsche) Identität und Integration einlädt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.06.2025

Rezensentin Yelizaveta Landenberger applaudiert der Journalistin Ira Peter dafür, in ihrem Buch wichtige Aufklärungsarbeit über die Geschichte und Gegenwart der Russlanddeutschen zu leisten. Ausgehend von ihrer eigenen Familiengeschichte - Peters Vorfahren waren um 1861 aus Ostpreußen ins heutige westukrainische Gebiet gezogen und sie selbst 1992 als Spätaussiedlerin nach Deutschland gekommen - gelinge es Peter, individuelle Erfahrung mit historischer Rekapitulation und einem Blick auf die aktuelle Situation in Deutschland lebender Russlanddeutscher zu verbinden, staunt die Kritikerin. Vor allem lobt sie die große Sachkunde, mit der Peter in die Geschichte der Russlanddeutschen einführt, die von sowjetischen Repressionen, dem Traum von der alten deutschen Heimat, der anschließenden Desillusionierung und einer resultierenden "Überidentifizierung" als Russisch geprägt war. Diese "postsowjetische Belastungsstörung" (Peter) wisse die Autorin aber in ein Verhältnis auch zu anderen Aspekten zu setzen: so haben manche Russlanddeutschen etwa mit den Nationalsozialisten kooperiert. Wie Peters so umfangreich informiert, dabei ein gängiges Opferschema aber unterbricht und zu generellem "Miteinander" aufruft, erntet die Anerkennung der Kritikerin.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 20.03.2025

Ira Peter ist genau die richtige Autorin für ein Buch, das zur rechten Zeit kommt, befindet Rezensentin Gesine Dornblüth: Sie gehört selbst zu den Spätaussiedlern und liefert hier "aufschlussreiche Erklärungen", nicht nur, was die Putin-Affinität vieler Russlanddeutscher betrifft, sondern auch über deren Lebensumstände. Den Begriff "Russlanddeutsch" lehne die Autorin für sich selbst ab, ihre Vorfahren seien ins Zarenreich ausgewandert und später nach Kasachstan deportiert worden, sie selbst habe bis auf die Muttersprache kaum etwas mit Russland zu tun. Sie habe sich geschämt, "nicht deutsch genug" zu sein, während andere Jugendliche sich bewusst vom Deutschsein abgegrenzt hätten. Auch von den Traumata der erlebten Repressionen liest Dornblüth, vom Schmerz und von dem Gefühl, im Stich gelassen zu werden, was wiederum Putin-Sympathien begünstige. Peters Forderung nach mehr Dialog kann sie sich nach der Lektüre nur anschließen.

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