Essays über den deutsch-jüdischen Verbrüderungskitsch, über die Entsorgung deutscher Vergangenheit, über den Jüdischen Kulturbund und über das Berliner Scheunenviertel.
Auf einer ganzen Seite würdigt Rezensent Ulrich Gutmair Klaus Bittermanns Zusammenstellung der vergriffenen Essays und Polemiken Eike Geisels. Geisel war noch von Adorno und Horkheimer geprägt, also gegen Naivität und die Banalität des Guten gefeit, macht Gutmair klar. Seine wichtigsten Invektiven richtete er gegen die Gedenkindustrie, das Shoah-Business und linken Antisemitismus, der sich in Geisels Augen vor allem mit Beginn des Golfkriegs als "moralischer Antisemitismus" gegen Israel richtete, so der Rezensent. Aber auch der Heroisierung des 20. Julis oder dem Holocaust-Mahnmal konnte er wenig abgewinnen. Geisel konnte ungerecht sein, wenn er Bemerkungen aus dem Zusammenhang riss oder absichtlich falsch verstand, gibt der Rezensent zu. "Meist aber lag er nicht falsch."
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 20.10.2015
Lest Eike Geisel!, ruft Oleg Jurjew. Was der 1997 verstorbene Autor in seinem Leben über und zu Deutschland und seinen Wunden aufgeschrieben hat, scheint Jurjew auch heute noch von Bedeutung. Ob er das Verhältnis zu den Juden oder das Linkssein im Nachkriegsdeutschland thematisiert, immer scheint Geisel dem Rezensenten mit seinem "furiosen, polemischen" Stil ins Schwarze zu treffen Auf den vorliegenden 500 Seiten, die laut Jurjew Geisels wichtigste Texte versammeln, ist der Autor zu entdecken und ins Verhältnis zur Gegenwart zu setzen.
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