Mit einem Essay von Ahmad Mansour. Vor 75 Jahren, am 14. Mai 1948, erfolgte die Proklamation des Staates Israel. Aus Anlass dieses Jahrestages legt Michael Wolffsohn eine selbstkritische und komplett überarbeitete Neufassung seines Grundsatzwerks "Ewige Schuld" vor. Der Optimismus, der 1988 bei der Erstausgabe vorherrschte, ist nunmehr einer ernüchternden Betrachtung gewichen. Von der "Wiedergutmachung" bis zur trügerischen Normalität heute zieht Wolffsohn eine kritische Bilanz der deutsch-jüdisch-israelischen Beziehungen. Der als Deutscher und Jude beiden Seiten verbundene Autor plädiert für einen entkrampften Umgang mit der Geschichte: Weder Verdrängen noch routinierte Sühnerituale helfen den Nachgeborenen, sondern nur die Einsicht in die Besonderheit der Vergangenheit, die beide Seiten aneinander bindet - im Guten wie im Schlechten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.05.2023
Etwas ungewöhnlich findet Ludger Heid schon, dass der Historiker Michael Wolffsohn sein eigenes Buch "Ewige Schuld" 35 Jahre nach der Erstveröffentlichung erneut vorlegt, allerdings in aktualisierter Fassung. Wolffsohn geht dabei redlich vor, versichert Heid, und alle neuen Bewertungen und Einschätzungen werden farblich gekennzeichnet. Vor allem zwei Aspekte interessieren den Rezensenten: Zum einen dass Wolffsohn die recht ruppig geführten Verhandlungen um Wiedergutmachung als historisch unsensibel und wilhelminisch charakterisiert, aber keineswegs als versöhnungsunwillig oder antisemitisch. Zum anderen aber dass sich das Verhältnis zwischen Israel und Deutschland nicht entkrampft hat. Während Israelis mittlerweile recht positiv auf Deutschland blicke, lernt Heid, sei die Freundschaft zu Israel für viele Deutsche ein Lippenbekenntnis geblieben.
Heike Geißler: Michaela Kohlhaas "Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Karl Ove Knausgard: Arendal Aus dem Norwegischen von Paul Berf. Wo ist dein Platz im Leben? Wohin gehörst du? Wo liegen deine wahren Gefühle?Wir schreiben das Jahr 1976. Syvert Løyning ist nach einer…