In Griechenland erinnert man sich bis heute an die deutsche Besatzung der Jahre 1941-1944, im deutschen Gedächtnis hingegen ist dieses Kriegsgeschehen vergessen oder wird beschwiegen. Die Asymmetrie der Vergangenheitsbewältigungen wird mehr als deutlich, wenn man, wie es die Beiträgerinnen und Beiträger dieses Buches getan haben, den beiden Erinnerungskulturen im öffentlichen Bewusstsein, in der Literatur und den Medien nachspürt. Vor allem in Krisenzeiten boomt das Klischee, doch der europäische Alltag mit seinen deutsch-griechischen Arbeits-, Familien- und Kulturbeziehungen setzt sich fort. Das Buch legt die interdisziplinären Grundlagen für eine überfällige Aufarbeitung und ein tragfähiges und dauerhaftes Geschichtsbewusstsein in beiden Ländern.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.12.2015
Christoph Klessmann erkennt die Lücke, die der von Chryssoula Kambas und Marilisa Mitsou herausgegebene Band mit 27 Aufsätzen deutscher wie griechischer Autoren zur deutschen Besatzung Griechenlands und zu Narrativen beider Staaten zu diesem Thema auszufüllen versucht. Es geht um innergriechische Debatten zu diesem Teil der Geschichte und um das "deutsche Vergessen" der Ausbeutungs- und Inflationspolitik mit hunderttausend Toten. Auch wenn Klessmann eine eher geschichtskulturelle und literaturhistorische Arbeit vor sich sieht, kommen auch militärische, politische und soziale Aspekte der Besatzung zur Sprache, erklärt er. Die Ermordung der griechischen Juden ist ein Thema, ebenso die Kollaboration. Auch wenn die Heterogenität der Beiträge das Konzept des Bandes zu sprengen droht und vieles nur für das Fachpublikum von Interesse ist, wie der Rezensent befürchtet, von den Autorinnen behandelte Aspekte wie die Geschichtswissenschaft der DDR in Sachen Griechenland machen das Buch für ihn höchst lesenswert.
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