Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945

Bd. 5: West- und Nordeuropa 1940 - Juni 1942
Cover: Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945
Oldenbourg Verlag, München 2012
ISBN 9783486586824
Gebunden, 880 Seiten, 59,80 EUR

Klappentext

Bearbeitet von Michael Mayer, Katja Happe und Maja Peers.
Im Mai 1940 überfiel die Deutsche Wehrmacht die Staaten Nord- und Westeuropas und besetzte sie weitgehend. Einheimische und die bis zu diesem Zeitpunkt nach Norwegen, in die Niederlande, nach Belgien, Luxemburg oder Frankreich geflüchteten Juden fielen jetzt unter deutsche Herrschaft. 1942 waren die Juden in allen Ländern Westeuropas zum Tragen des "Judensterns" verpflichtet, Zwangsarbeit war für Juden die Regel. In Frankreich und Luxemburg hatten die Deportationen in die Gettos und Vernichtungslager bereits begonnen, in den anderen Ländern standen sie unmittelbar bevor.
Dieser Band dokumentiert für die Zeit vom deutschen Einmarsch bis Mitte 1942 die schrittweise Entrechtung der Juden, ihre Isolation und die Zerstörung ihrer Existenzgrundlage mittels Berufsverboten und Enteignung. In Briefen und Tagebüchern schildern die verfolgten Juden das Leben unter deutscher Besatzung und die Versuche, diesem Leben durch Emigration doch noch zu entkommen. Die Dokumente zeigen, wie sich jüdische Organisationen bemühten, die Auswirkungen der Verfolgung zu mildern, und wie deutsche Machthaber aber auch einheimische Kollaborateure das Leben der Juden immer stärker reglementierten und jeden Widerstand zu ersticken suchten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.08.2013

Bernward Dörner liest den vorliegenden fünften Band der 16-teiligen Quellenedition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945" mit Grausen. Was der Band aufgrund breiter Recherchen, vor dem Hintergrund historischer und sozialer Bedingungen dokumentiert, den typischen Ablauf der in den Arbeitslagern mit dem Tod endenden Verfolgungen und Ausgrenzungen, erscheint ihm als eindrucksvoller Schock, der die Eskalation der Judenverfolgung beklemmend aufzeigt. Dass nicht wenige der insgesamt 328 chronologisch geordneten Dokumente im Band erstmals veröffentlicht werden, macht die Publikation für Dörner umso wertvoller.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.02.2013

Mit großem Interesse hat Franziska Augstein die hier versammelten Dokumente zum Holocaust in den westeuropäischen Ländern zur Kenntnis genommen. Anerkennend merkt sie zunächst an, dass sich für dieses monumentale, aber doch auf Machbarkeit angelegte Überblickswerk Historiker unterschiedlicher Richtungen zusammengetan haben. Im einzelnen hat sie das Buch auch im positiven Sinne dazu gebracht, ihre Ansicht zum Verhalten der lokalen Populationen zu revidieren. Sowohl in den Niederlanden, als auch in Frankreich gab es bei aller Düsternis auch eine Menge Einzelne, die Juden halfen, sich zu verstecken oder zu fliehen.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 25.01.2013

Das Entsetzen über den Holocaust, das in der Formelsprache der Sonntagsreden nicht selten verblasst, wird wieder lebendig, wenn man die originalen Quellen zum Geschehen liest - das machen die Rezensenten  Stefan Reinecke und Christian Semler in ihrer ausführlichen Kritik der Bände 3 und 5 der Edition deutlich. Es ist eben etwas anderes, abstrakt über die Kollaboration Bescheid zu wissen, oder gewissermaßen "live" mitzuerleben, ob der Bürgermeister von Brüssel die gelben Sterne durch seine Behörden verteilen lässt oder sich weigert. Den Autoren fallen in den Dokumenten drei Dinge auf: Besonders klar wird ihnen der Kollaborationswille konservativer Eliten in den besetzten Ländern. Zweitens ist ihnen wichtig festzustellen, dass der Holocaust genau in dem Moment konkrete Gestalt annimmt, als Hitler beschließt, die Sowjetunion zu überfallen. Drittens bietet ihnen der entschiedene Widerstand niederländischer Arbeiter gegen die Drangsalierung ihrer jüdischen Kollegen in diesem düsteren Panorama so etwas wie Trost.