Aus dem Englischen von Heike Schlatterer, Enrico Heinemann und Norbert Juraschitz. Der KGB gehörte jahrzehntelang zu den einflußreichsten Geheimdiensten der Welt. Die Dokumentation seiner weltweiten Operationen ist möglich geworden dank des Materials, das der russische Überläufer Wassili Mitrochin 1992 in den Westen geschleust hat. Der britische Historiker und Geheimdienstexperte Christopher Andrew hat dieses Material ausgewertet und unter Verwendung ergänzender Quellen die erste große Gesamtgeschichte des KGB im Kalten Krieg vorgelegt. Der erste Band erschien 1999 unter dem Titel "Das Schwarzbuch des KGB". Schwerpunkt waren damals die Aktivitäten des KGB in Europa und den USA. Der nun folgende zweite Band umfaßt die Geheimoperationen des KGB in Lateinamerika (unter anderem Castro und die kubanische Revolution, Chile und die Regierung Allende), im Mittleren Osten, in Asien und Afrika. Alle wichtigen weltpolitischen Ereignisse der Ära des Kalten Krieges - vom Koreakrieg über die chinesische Revolution, den Vietnamkrieg, den Sturz des Schahs in Persien und die Militärputsche in Südamerika bis zur sowjetischen Invasion in Afghanistan.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.07.2006
Als sehr ergiebige Lektüre empfiehlt Adam Holesch diesen zweiten Band des "Schwarzbuch des KGB", das Christopher Andrew auf Grundlage der von Wassili Mitrochin in den Westen geschmuggelten Akten verfasst hat. Schwerpunkt sind die Aktivitäten des sowjetischen Geheimdiensts in der Dritten Welt: die zahlreichen Desinformationskampagnen, die Unterstützung revolutionärer Regierungen und die "Verbreitung paranoider Zustände". Andrew sieht nach Informationen des Rezensenten im KGB die treibende Kraft hinter der sowjetischen Drittwelt-Politik, mit der der Kalte Krieg letztlich gewonnen werden sollte. Doch die Aktivitäten waren im Grunde von vornherein zum Scheitern verurteilt: Denn auch wenn dem Geheimdienst einige beachtliche Erfolge bei der Beschaffung von Informationen gelangen, konnten sie niemals vernünftig ausgewertet werden, folgt der Rezensent Andrews Einschätzung: Denn sie dienten ja vor allem dazu, die sowjetische Führung in ihren Fehleinschätzungen zu befördern. Manche langatmige Passage musst der Rezensent durchstehen, ist aber insgesamt sehr überzeugt von diesem "präzisen" und "lesbaren" Überblick.
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