Mit dem Überfall auf Polen im September 1939 begann für die Bevölkerung eine Besatzungszeit, die gekennzeichnet war durch Terror und Ausbeutung. Nur wenige Wehrmachtsangehörige versuchten, in ihren Einsatzbereichen der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik entgegenzuwirken, indem sie Verfolgten halfen. Die vorliegende Studie untersucht Beispiele von "Rettungswiderstand" durch Wehrmachtsangehörige im besetzten Polen auf Grundlage einer sehr breiten Quellenbasis (u.a. Akten über die "Gerechten unter den Völkern" aus der Gedenkstätte Yad Vashem.) Wie gelang es ihnen, Verfolgte vor der Vernichtung durch den deutschen Besatzungsapparat zu bewahren? Handelten sie allein oder bezogen sie Mithelfer ein? Halfen sie spontan oder planten sie ihr Vorgehen? Wie verlief ihr Lebensweg nach 1945? Hatten sie auch nach dem Krieg Kontakt zu den Geretteten?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 30.04.2021
Für ein äußerst wichtiges Projekt hält Rezensent Wolfram Wette Christiane Goos' Studie, in der die Historikerin 28 Männer der Deutschen Wehrmacht vorstellt, die sich zur Zeit der deutschen Besatzungsherrschaft in Polen den Befehlen widersetzten und Juden und Jüdinnen retteten - sei es durch Fluchthilfe, die vorgeschobene "Kriegsnotwendigkeit" zur Rettung vor der Deportation oder die direkte Konfrontation mit den Vernichtungskommandos. Wie Goos den Einfallsreichtum der Männer darstelle und so gegen den Mythos der Alternativlosigkeit zum bedingungslosen Gehorsam anschreibt, begrüßt der Rezensent - auch wenn nicht vergessen werden dürfe, wie marginal die Taten in Anbetracht des Völkermords immer noch ausfallen. Trotzdem ein relevanter Beitrag für unsere Erinnerungskultur, der die Rettenden "wie Edelsteine" aus dem "Schutthaufen der deutschen Vernichtungsgeschichte" berge, so Wette.
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