Aus dem Englischen von Michael Müller. Mit 31 Fotos und Dokumenten, Tagebuchaufzeichnungen, Briefen und überlieferten Gesprächen. Schon bevor sie geboren wurden, waren sie durch familiäre Beziehungen aufs engste miteinander verbunden Kaiser Wilhelm II., Zar Nikolaus II. und König Georg V. Drei königliche Vettern, die auf der Schwelle des 20. Jahrhunderts am Rad der Geschichte drehen und sich schließlich als Feinde in einem Weltkrieg gegenüberstehen. Catrine Clay betrachtet die historische Entwicklung aus der Perspektive dreier Männer, die zerrissen waren zwischen persönlichen Bindungen und politischen Zwängen. Sie verfolgt ihr Schicksal, zeigt ihre letztlich gescheiterten Versuche, eigenes Glück mit den Interessen ihrer Länder in Einklang zu bringen und aus ihren persönlichen Bindungen heraus den Frieden für ihre Völker zu erhalten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2008
Die historische Bedeutung der von der Hofberichterstatterin Catrine Clay zusammengetragenen Quellen (Briefe vor allem) schätzt Rezensent Lothar Kettenacker eher gering ein. Für ihn fallen sie eher in die Kategorie Boulevard und erzählen vom allzu Menschlichen, als dass sie dem problematischen Dreigestirn Wilhelm II., Georg V. und Zar Alexander III. wissenschaftlich stoßfeste Erkenntnisse entlocken. Mit den Psychologisierungsversuchen der Autorin möchte Kettenacker sich nicht begnügen, und auch gewissenhaftes Quellenstudium (bei John C. G. Röhl und in den Royal Archives) reicht ihm nicht. Nur gut, dass es wenigstens unterhaltsam ist, räumt er ein. Und entdeckt schließlich doch noch einen Grund, das Buch auch Historikern ans Herz zu legen: Die Misshelligkeiten zwischen den Herrscherhäusern, namentlich die zwischen König und Zar einerseits und dem deutschen Kaiser andererseits findet er bei Clay derart herausgearbeitet, dass ihm die Entente cordiale und die Isolierung des Reiches verständlicher erscheinen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.08.2008
Als Familiengeschichtschronik über den russischen Zaren Nikolaus, den deutschen Kaiser Wilhelm II. und den englischen König George V. funktioniert das Buch ganz gut, meint Rezensent Gerd Krumeich. Das höfische Leben, Reisen und Jagden findet er mittels Briefen und Tagebüchern quellennah und ausführlich erzählt. Diesbezüglich vermisst er nur die Speisekarten der beschriebenen Festmähler. Wozu das Buch seiner Meinung aber ganz und gar nicht taugt, verrät Krumeich auch. Betreffend politische Fragen, Fragen der Macht oder der Rolle der Monarchen in ihren Gesellschaften nämlich, kann ihn die Autorin Catrine Clay nicht überzeugen. Zu personalistisch die Darstellung, zu beliebig die Reflexionen. Die kessen Sprüche Wilhelms II. hin oder her, die "Entente cordiale" oder den Kriegsausbruch, so gibt der Rezensent zu verstehen, erklärt das noch nicht. Zumal die entscheidenden Figuren der Geschichte nicht oder nur am Rande erwähnt werden, wie er einigermaßen enttäuscht feststellt.
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