In den letzten Jahrzehnten wurden historische Fragen verstärkt als Agenda der politischen Gegenwart behandelt. Berthold Unfried untersucht die Bewegung zur Restitution und Entschädigung von in der NS-Zeit entzogenen Vermögenswerten seit Anfang der 1990er Jahre in Mittel- und Osteuropa. Beginnend mit einer Kampagne um unausgezahlte Konten von NS-Opfern bei Schweizer Banken griff die Diskussion bald über den "postsozialistischen" Teil Europas hinaus und wurde in der Folge in den meisten europäischen Ländern geführt. Unfried setzt diese europäisch-nordamerikanische Bewegung in den Kontext anderer Entschädigungsbewegungen weltweit.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 14.01.2015
Reichlich durcheinander erscheint Helmut König Berthold Unfrieds Studie über die Restitiutionswelle der vergangenen Jahrtausendwende. Akteure und Motivationen kann ihm der Autor zwar vorstellen, Machtverhältnisse und Verhaltensweisen analysieren und so ein Panorama von den südamerikanischen und südafrikanischen Wahrheitskommissionen bis zu den juristischen Details der Kunstrückgabe zu präsentieren, alles in allem erscheint das Buch dem Rezensenten jedoch labyrinthisch, inkohärent, da es allzu Heterogenes miteinander zu verbinden versucht, wie König kritisiert. Dass der Autor zudem die im Dienst der Entschädigung tätigen Historiker scharf kritisiert, ohne jedoch "substanziell" zu argumentieren, erscheint König schwach.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.11.2014
Ein streitbares Buch sieht Constantin Goschler in Berthold Unfrieds Versuch, die globale Entschädigungsbewegung der 1990er Jahre darzustellen. Auch wenn der globale Blick schnell auf Österreich und Frankreich zusammenschurrt, wie Goschler feststellt, gelingt es dem Historiker in seinen Augen doch, professionelle Selbstreflexion mit einer Analyse der Entschädigungspolitik und ihrer Akteure zu verbinden. Die Enttäuschung über den Primat des Geldes bei aller moralischen Argumentation in der Restitution merkt der Rezensent dem Autor in fast jeder Zeile an. Auch wenn Goschler das ein oder andere Gegenbeispiel einfällt und er Unfrieds Bild Österreichs als Opfer amerikanischer Erinnerungspolitik nicht in allen Einzelheiten teilt, hält der Rezensent das Buch für eine lohnende Lektüre zum Verständnis europäischer Selbstverständigungsprozesse.
Als Diskussionsgrundlage für künftige Aushandlungsprozesse in der Entschädigungspolitik ist das Buch für Andrea F. G. Rascher unverzichtbar. Die eigenen hohen Ansprüche erfüllt der Historiker Berthold Unfried laut Rezensentin indem er eigene Erfahrungen als Kommissionsmitglied transzendiert und dem Leser eine globale Perspektive und differenzierte Interpretationen zu Entschädigungs- und Restitutionsfällen aus aller Welt präsentiert. Rascher lernt dabei Mechanismen der Interessendurchsetzung, verschiedene Formen der Wiedergutmachung und die prinzipielle Unabschließbarkeit der vorgeführten Fälle kennen. Die Mischung aus packend erzählten Fallbeispielen, luzider Argumentation und Schlussfolgerung und einem offenen Ende der Arbeit, hat Rascher überzeugt.
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