Die Politik der Bundesrepublik gilt in der öffentlichen Wahrnehmung weltweit als Modell einer gelungenen Entschädigung für die Opfer von Kriegsverbrechen und Verfolgung. Tatsächlich hat die Mehrheit der mehr als 20 Millionen NS-Verfolgten nie eine Entschädigung erhalten. Andauernde Auseinandersetzungen zur Verfolgung während des Zweiten
Weltkriegs bestimmen weiterhin den Alltag vieler überlebender
NS-Verfolgter und prägen die Beziehungen Deutschlands zu anderen
Ländern. In Porträts von 20 ausgegrenzten NS-Verfolgten belegen die Reportagen des Autorinnen-Duos: Die sogenannte Wiedergutmachung des NS-Unrechts ist mehr ein Mythos als ein Modell.
Mit ihren Reportagen haben die Nina Schulz und Elisabeth Mena Urbitsch Denkmäler gesetzt, findet Rezensent Hans-Ulrich Dillmann. Und zwar jenen Menschen, die sie - stellvertretend für alle NS-Verfolgten - in ihren "Lebensgeschichten mit Langzeitbelichtung" (O-Ton der Autorinnen) porträtieren. Die Publikation ist für den Rezensenten auch deshalb so gelungen, weil sich die beiden Journalistinnen seinem Eindruck nach viel Zeit für ihre ProtagonistInnen genommen haben. So seien die Texte "bewegend, spannend und unter die Haut gehend, vor allem aber anteilnehmend", würden dabei aber trotzdem die nötige journalistische Distanz wahren. Die zugehörigen Fotos wiederum tragen eine eigene Handschrift, schreibt Dillmann, und geraten so zu individuellen Porträts der greisen NS-Opfer. Deutlich wird aus der Besprechung auch, für wie ungerecht der Kritiker es hält, dass in Deutschland SS-Männer Renten beziehen, aber rund 20 Millionen NS-Verfolgte noch immer keine Entschädigungen erhalten haben.
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