Bernhard Viel

Johann Peter Hebel oder Das Glück der Vergänglichkeit

Eine Biografie
Cover: Johann Peter Hebel oder Das Glück der Vergänglichkeit
C. H. Beck Verlag, München 2010
ISBN 9783406598364
Gebunden, 320 Seiten, 22,95 EUR

Klappentext

Mit Abbildungen und Übersichtskarten. Johann Peter Hebel gehört zum Erbe klassischer deutscher Bildung. "Kannitverstan" und "Unverhofftes Wiedersehen" stehen als Meisterstücke seiner "Kalendergeschichten" in jedem Lesebuch, Muster einer kunstvollen wie volksnahen Literatur. Seinen Ruhm hatte zu Lebzeiten Goethes Urteil befördert, Hebel sei es als erstem gelungen, "auf die naivste, anmutigste Weise" im bäuerlich-kleinbürgerlichen Milieu den Weltentwurf der Aufklärung zu vermitteln - wie umgekehrt die bahnbrechend neue Qualität der Hebelschen Dichtung ebenso darin bestand, den als sinnvoll erkannten "Bau der Welt" in den Grenzen bäuerlichen Lebens zu spiegeln. In seinem Innersten allerdings war Hebel ein gebrochener Charakter, der zeitlebens unter dem frühen Tod seiner Mutter litt. Bernhard Viel nimmt dieses Lebenstrauma als Ausgangspunkt seiner Darstellung und zeigt, dass gerade das traumatische Erlebnis des Todes Kräfte freisetzte, die Hebel zum Schöpfer staunenswert kühner Verse und zum Erfinder der modernen Kurzgeschichte machten. Auch weltanschaulich teilt sich die innere Gebrochenheit mit. Immer wieder werden Zweifel am Sinn einer Ordnung der Welt laut - wenn Hebel auch in einer Art trotzigen Aufbegehrens der irdischen Vergänglichkeit das Glück einer göttlich begründeten Erlösung entgegenhält.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.05.2010

In Michael Stolleis' Doppelbesprechung zweier neuer Hebel-Biografien kommt die von Bernhard Viel neben der Heide Helwigs eindeutig schlechter weg. Zwar werden die ausführlichen Schilderungen der ersten Lebensjahrzehnte sowie des Sterbens des Dichters noch eher positiv vermerkt, was dazwischen liegt, "bleibe", klagt der Rezensent, aber "unscharf in den Konturen". Wenig originell sei der Verfasser auch im Augenmerk auf die Texte von Hebel, indem er einzig dem "Unverhofften Wiedersehen" eine größere Auseinandersetzung angedeihen lässt. Insgesamt also viel zu wenig, zumal es ja seit mehr als vier Jahrzehnten die große Hebel-Biografie Wilhelm Zentners gebe, die auch angesichts der beiden neuen Bücher das Maß der Dinge bleibe.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.05.2010

Von theologischer Warte nähert sich Rezensent Johann Hinrich Claussen zwei neu erschienenen Biografien zum Dichter, Pädagogen und Kirchenfunktionär Johann Peter Hebel. Oder, genauer, er nähert sich ausführlich erst einmal diesem Leben selbst, weil nämlich die Biografien zu theologischen Fragen, wie er bedauert, nicht sehr tiefenscharf Stellung nehmen. Er macht ihnen das gar nicht zu Vorwurf, sieht eher einen traurigen Zug der Gegenwart in diesem Sachverhalt. Zumal er Bernhard Viels Buch dennoch so kundig wie lesenswert findet. So leuchtet ihm die Betonung der Kindheit und Jugend des Dichters ebenso ein wie das Gewicht, das Viel auf den Tod der Mutter als "Urtrauma" legt. Ohne dass dabei großer interpretatorischer Aufwand spürbar wäre, gelinge es Viel doch, die "Komplexität" seines Gegenstands zu erfassen, wenngleich andererseits ein eigener Deutungsansatz dabei nicht sichtbar werde.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de