Catalin Dorian Florescu

Jacob beschließt zu lieben

Roman
Cover: Jacob beschließt zu lieben
C. H. Beck Verlag, München 2010
ISBN 9783406612671
Gebunden, 406 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

In seinem neuen Roman erzählt Catalin Dorian Florescu die abenteuerliche Lebensgeschichte des Jacob Obertin aus dem schwäbischen Dorf Triebswetter im rumänischen Banat. Es ist eine Geschichte von Liebe und Freundschaft, Flucht und Verrat und darüber, wie die Fähigkeit eines Menschen zu lieben ihn über alles hinwegretten kann. Jacobs Geschichte - zeitlich zwischen dem Ende der 20er- und Anfang der 50er-Jahre angesiedelt - weitet sich zu einem Familienepos, in dem temporeich und in dichten, fantastischen Bildern das Schicksal der Obertins über 300 Jahre hinweg erzählt wird, beginnend mit dem 30-jährigen Krieg in Lothringen. Ende des 18. Jahrhunderts hatten sich Jacobs Vorfahren, wie viele Tausende Anderer aus Lothringen ein besseres Leben suchend, auf den gefährlichen Weg ins Banat gemacht, um ihr Glück zu finden und eigenes Land zu besitzen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.09.2011

Alles so bunt hier, denkt der Rezensent. Der Hang des Autors zu Folklore und Kitsch, meint Jörg Magenau, ist in diesem Roman jedenfalls gut zu bewundern. Ansonsten eher nicht so viel. Das Schicksal der Donauschwaben im Banat als Antrieb und Staffage für ein so flach und gedankenfrei konstruiertes Buch zu nehmen, findet Magenau eigentlich nicht spaßig. Schließlich sind Hunger, Not und Krieg keine schicksalhaften Weltgerichte, wie hier suggeriert wird, sondern haben Ursachen und Schuldige, wie sich laut Magenau bei Herta Müller gut nachlesen lässt. Für ihn ist dieser Roman von Catalin Dorian Florescu weder plastisch noch poetisch.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 25.06.2011

Mit hohem Lob bedenkt Christoph Schröder den fünften und seines Erachtens besten Roman Catalin Dorian Florescus. Er liest "Jacob beschließt zu lieben" als einen "Heimatsehnsuchtsroman", als große Banater Familiengeschichte, die sich vom dreißigjährigen Krieg bis in die 1950er Jahre des kommunistischen Rumäniens erstreckt. Die Geschichte Jacob Obertins, der von seinem übermächtigen Vater mehrfach verraten wird, in ein sibirisches Lager gesteckt wird und fliehen kann, findet er dramaturgisch höchst gekonnt mit der abenteuerlichen Geschichte von Jacobs Vorfahren verknüpft. Er schwärmt von der Fabulierlust und dem Erfindungsreichtum des Autors sowie von seiner "zupackenden", mitunter "archaischen" Sprache. Schröders Fazit: das beeindruckende Werk eines "großen Geschichtenerfinders".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.2011

Respekt und Anerkennung zollt Rezensentin Elke Heidenreich dem fünften Roman Catalin Dorian Florescus, den sie als seinen "besten" bezeichnet. Sie schwärmt vom langen Erzählatem, der vom Dreißigjährigen Krieg bis ins 20. Jahrhundert reicht, und rühmt die erzählerische Wucht und die sinnliche Sprache dieser tieftraurigen Banater Familiengeschichte. Angerührt und zugleich in den Bann geschlagen hat sie besonders das Schicksal der Hauptfigur Jacob, der, vertrieben und vom eigenen Vater gleich zweimal verraten, am Ende nur noch in Gelächter aus "tiefster Verzweiflung" ausbrechen kann. Großartig verstehe es der 1968 in Rumänien geborene Autor, der heute in der Schweiz lebt und dort lange als Psychotherapeut tätig war, in sinnlicher Detailfülle das Leben im Banat plastisch in seinem ganzen Elend und seiner "Schönheit" vor Augen zu führen, preist die begeisterte Rezensentin, für die der Autor spätestens mit diesem Buch zu den bedeutendsten deutschsprachigen Autoren der Gegenwart zählt.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.03.2011

Beatrice Eichmann-Leutenegger entdeckt in Catalin Dorian Florescu einen fulminanten Erzähler und hat mit viel Anteilnahme und sehr gefesselt seine Familiensaga aus dem Banat gelesen. Besonders reizvoll findet die Rezensentin den wechselnden Blick durch 300 Jahre Geschichte, der mal aus der Sicht des knapp der Verschleppung nach Sibirien entkommenen Protagonisten Jacob, mal aus der Sicht der Dorfbewohner, die unter kommunistischer Herrschaft in das Land ihrer Lothringer Vorfahren vertrieben werden, und mal jahrhunderteübergreifend einen ganzen Landstrich ins Auge fasst. Eichmann-Leutenegger ist von der Fülle der Bilder und Geschehnisse fasziniert, und auch wenn sie das traurige Schicksal von Jacob, der vom eigenen Vater zweimal verraten wird, durchaus berührt, entdeckt sie in diesem beeindruckenden Roman auch ein "stilles Bekenntnis zum Leben", wie sie schreibt.