Barbara Wittmann

Gesichter geben

Edouard Manet und die Poetik des Porträts. Diss.
Cover: Gesichter geben
Wilhelm Fink Verlag, München 2004
ISBN 9783770540051
Gebunden, 340 Seiten, 44,90 EUR

Klappentext

Mit 80 Schwarzweiß- und 12 Farbabbildungen. Selten hat sich die Kunstgeschichte mit dem Bildniswerk Edouard Manets beschäftigt, obwohl der Maler vorzugsweise im und mit dem Porträt als Bildform arbeitetete. Dabei zeigen sich an Manets Werk Krise und Utopie der Gattung in der Moderne in geradezu exemplarischer Weise: Zum einen wird in seiner Bildkunst eine Kritik der Repräsentation fassbar, die die wichtigsten Konventionen des Porträts wie Ähnlichkeit, Pose und Ausstattung unterläuft, um statt dessen eine nicht-physiognomische Unmittelbarkeit des Bildes voranzutreiben. Diesem Verfahren des "Gesichter-Gebens" - im Sinne des verfremdenden Spiels mit dem Gesicht durch die expressiven Mittel der Pinselschrift - antwortet die Praxis des "Gesichter-Gebens" im buchstäblichen Sinn, d. h. dem Verschenken von Porträts. An die Stelle des Porträts als Ware tritt das Porträt als Gabe. Die Arbeit widmet sich daher der Strategie und Funktion der Bildnisse als Geschenke und zeigt, wie Manet einen neuen funktionalen Rahmen der Gattung entwirft und so dem Porträt als Instrument des (künstlerischen) Austausches zwischen Maler und Modell neue Bedeutung verleiht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.05.2005

Erhellend findet Rezensent Steffen Siegel diese "gut lesbare Untersuchung" zu Edouard Manets Bildnismalerei, die die Berliner Kunsthistorikerin Barbara Wittmann vorgelegt hat. Im Mittelpunkt der insgesamt acht Einzelinterpretationen steht nach Auskunft Siegels die doppelte Idee des Gesichter-Gebens bei Manet. Wie er darlegt, ging es Manet nicht nur um die Gestaltung des Gesichts mit künstlerischen Mitteln, sondern auch und vor allem darum, seine Porträts der "Logik der Gabe" zu unterstellen. Mit anderen Worten: Wittmann zeige, so der Rezensent, "wie raffiniert sich der Maler Edouard Manet bei seinen Gönnern bedankte". Eine Stärke von Wittmanns Studie sieht Siegel "gerade in der Vielfalt, zuweilen auch Gegensätzlichkeit der Porträtierten". Er hebt insbesondere Wittmanns Interpretation von Manets Porträts Emile Zolas und Stephane Mallarmes hervor. Bedauerlich findet er nur, dass die Autorin Manets Versuche, Leon Koella-Leenhoff, wohl sein unehelicher Sohn, ein Gesicht zu geben, unberücksichtigt lässt.

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