Alfred Rosenberg

Alfred Rosenberg: Die Tagebücher von 1934 bis 1944

Cover: Alfred Rosenberg: Die Tagebücher von 1934 bis 1944
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2015
ISBN 9783100023872
Gebunden, 656 Seiten, 26,99 EUR

Klappentext

Seit 1946 verschollen, wurden die Tagebücher des NSDAP-Reichsleiters Alfred Rosenberg erst 2013 aufgefunden. Hier liegen sie erstmals als Gesamtausgabe vor, ausführlich kommentiert von den Historikern Frank Bajohr (Zentrum für Holocaust-Studien, München) und Jürgen Matthäus (US Holocaust Memorial Museum, Washington). Rosenbergs Aufzeichnungen zeigen, dass seine Rolle bei der Vorbereitung und Umsetzung des Holocaust lange unterschätzt wurde. Schon früh einer der radikalsten Antisemiten, unterstützte er bis zuletzt die deutsche Vernichtungspolitik. Seine Notizen verdeutlichen neben seiner unbedingten Ergebenheit gegenüber Hitler die erbitterte Konkurrenz innerhalb der Funktionselite um den "Führer", insbesondere die intime Feindschaft zwischen Rosenberg und Joseph Goebbels. Aus der Perspektive eines der Hauptverantwortlichen eröffnet dieses Schlüsseldokument neue, wichtige Einblicke in die vom NS-Regime erzeugte Gewaltdynamik.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.08.2015

Zwanzig Jahre lang ist nach Alfred Rosenbergs 1993 verschwundenen Tagebüchern gefahndet worden, weiß Rezensent Sebastian Weitkamp, doch die an sie gerichteten hohen Erwartungen sieht er nicht erfüllt. Dass es sich bei ihnen weder um brisantes Material noch um ein bedeutendes Dokument handelt, will er jedoch in keiner Weise den Herausgebern Jürgen Matthäus und Frank Bajohr anlasten, deren Begleittexte sehr lesenswert seien. Es liegt an Rosenberg selbst. Hitlers Chefideologe sei einfach schreibfaul gewesen und ein Narziss obendrein. Während kein einziges wichtiges Ereignis in diesen Aufzeichnungen vorkomme, weder der Nürnberger Parteitag noch der Überfall auf Polen oder gar der Holocust, schwelge Rosenberg in seinen eigenen Verdiensten, den Gunstbeweisen des Führers und in Gehässigkeiten gegenüber seinen Rivalen. Ermüdend findet das der Rezensent: "Neue Erkenntnisse finden sich kaum."

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 23.07.2015

Die Tagebücher von Hitlers "Chef-Ideologen" Alfred Rosenberg waren bei den Nürnberger Prozessen von einem US-Ankläger entwendet worden und sind erst vor kurzem wieder aufgetaucht, berichtet der Historiker Felix Römer. Die Holocaust-Experten Jürgen Matthäus und Frank Bajohr haben sie jetzt herausgegeben und der Rezensent ist sich sicher, dass ihr Buch in Zukunft zum festen Kanon der NS-Forschung gehören wird. Es gebe zwar keinen sensationellen neuen Erkenntnisse, aber füge dem Bild der NS-Führung, die untereinander durchaus zerstritten und in Kompetenzgerangel verstrickt war, doch weitere Teile hinzu, erklärt Römer. Neben einem weiteren Nachweis der "Unbeirrbarkeit ideologischen Denkens" zeigen sie aufs eindringlichste das kleinbürgerliche Geltungsbedürfnis der Spitze der "NS-Polykratie", so der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 27.06.2015

Großes Lob richtet Rezensent Rudolf Walther an Jürgen Matthäus und Frank Bajohr, die die lange als verschollen gegoltenen Tagebücher Alfred Rosenbergs aus den Jahren 1933 bis 1944 nun vorbildlich in einer Gesamtausgabe ediert haben. Neben den informativen Kommentaren der Herausgeber liest der Kritiker in den Aufzeichnungen des Publizisten Rosenberg, der nicht nur beim Raub jüdischer Kunstwerke ein wichtige Rolle spielte, dass er insbesondere als "Reichsminister für die besetzten Ostgebiete", schon früh und deutlich für eine "Vernichtung des jüdischen Parasitenvolkes" plädierte und unter führenden Nazis vor allem über die "effizientesten" Methoden der Vernichtung gestritten wurde. Dieses Tagebuch ermöglicht einen tiefen Einblick in menschliche Abgründe, schließt der Kritiker.