Alfred Estermann

Schopenhauers Kampf um sein Werk

Der Philosoph und seine Verleger
Cover: Schopenhauers Kampf um sein Werk
Insel Verlag, Frankfurt a. Main 2005
ISBN 9783458172529
Gebunden, 256 Seiten, 24,80 EUR

Klappentext

Kaum ein Schriftsteller hat sich für sein Werk so eingesetzt wie Arthur Schopenhauer - und wahrscheinlich stand auch keiner seiner Verbreitung so sehr im Wege wie er. Wäre er nicht in Friedrich Arnold Brockhaus und seinem Nachfolger Heinrich Brockhaus und schließlich, in dritter Generation, Eduard Brockhaus auf wohlwollende Partner gestoßen, die den immer neuen Zumutungen ihres Hausautors mit nahezu unerschütterlicher Langmut begegneten, wäre es um die Zukunft dieses Jahrhundertwerks schlecht bestellt gewesen. Alfred Estermann zeichnet die sich über mehr als vier Jahrzehnte erstreckenden Bemühungen Schopenhauers um eine adäquate Publikation seines OEuvre nach. Auch wenn die Verhandlungen um die drei Fassungen der Welt als Wille und Vorstellung im Vordergrund stehen, geht es doch immer auch um die Organisation des Buchhandels im 19. Jahrhundert.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.06.2005

Burkhard Müller ist über dieses Buch, in dem Alfred Estermann die schwierige Publikationsgeschichte von Schopenhauers "Die Welt als Wille und Vorstellung" darstellt, ehrlich empört und spricht diesem Buch in seiner kurzen Kritik jeglichen "erkennbaren Zweck" ab. Was den Rezensenten so auf die Palme bringt, ist die "augenzwinkernde" Art, mit der der Autor das "grandiose Pathos", mit dem Schopenhauer das "Trauerspiel" der fast vollständigen Nichtbeachtung seines Hauptwerks über einen Zeitraum von 40 Jahren beklagt, "beschmunzelt". Das einzige, was Müller an diesem Band zu interessieren vermag, sind die Briefe, die Schopenhauer an seine Verleger schrieb; die allerdings sind bereits zum größten Teil anderswo publiziert worden, so dass ihr Abdruck im vorliegenden Werk den erbosten Rezensenten auch nicht besänftigen kann.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.05.2005

Dies ist ein vergnügliches und informatives Buch zugleich, lobt Hans-Albrecht Koch, an dem der stilbewusste Schopenhauer seine Freude gehabt hätte. Kochs Lob gilt dem Frankfurter Germanisten und Buchwissenschaftler Alfred Estermann, der bereits mit seinem 20-bändigen Werk "Literaturzeitschriften 1830 bis 1880" der germanistischen Forschung immenses Quellenmaterial zugänglich gemacht hat. Kein Wunder, dass sich so einer nun den Beziehungen eines Autors zu den Verlegern widmet, meint Koch. Zu Schopenhauers Zeit waren das noch richtige Verleger, mit denen die Autoren in ausgedehntem Briefwechsel standen, schwärmt der Rezensent. Bei Schopenhauer waren das in erster Linie Eduard und Heinrich Brockhaus, die Schopenhauers großes Hauptwerk "Die Welt als Wille und Vorstellung" herausgaben - ein ziemlicher Flop, wie Koch nun weiß. Bei allem Tauziehen, das ein empfindlicher Geist wie Schopenhauer - bis in orthographische Details - mit seinen Verlegern veranstaltete, so habe er jedoch stets jeden Gedanken an selbstverlegerisches Handeln zurückgewiesen, teilt Koch mit. Schopenhauer sei klar gewesen, dass nur ein professioneller Verleger einem schwierigen Werk den Weg bahnen könne.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.03.2005

Als einfachen Autor kann man Arthur Schopenhauer gewiss nicht bezeichnen, und auch für seinen Verlag, Brockhaus, war er keiner. Nicht nur, dass "Die Welt als Wille und Vorstellung" ein echter Ladenhüter war - "Makulatur" nannte der Verleger sie insgeheim, von 750 Exemplaren wurden 600 eingestampft. Auch der Ton, den der Autor anschlug, war rau. "Unglaubliche Grobheiten" hat Rezensent Helmut Mayer in Alfred Estermanns "Schopenhauers Kampf um sein Werk" gefunden, das die Publikationsgeschichte von "Die Welt als Wille und Vorstellung" und die Leidensgeschichte seiner Publikatoren - hier der verkannte Philosoph, dort die malträtierten Verleger, drei Generationen Brockhaus - unter Hinzuziehung des Briefwechsels von 1818 bis 1860 darstellt. "Kenntnisreich und elegant" ist Estermanns Werk, urteilt der Rezensent. Spät erst erkannte Brockhaus, mit welchem "Kettenhund" sein Haus es zu tun hatte, und gab beherzt Kontra. Für Schopenhauers schlechte Laune gab es einen Grund. Nicht nur fühlte er sich von der Öffentlichkeit verkannt; er witterte auch Ranküne der Universitätsphilosophie, allen voran natürlich seines Erzfeindes Hegel. Um so makelloser musste die öffentliche Erscheinung seines Opus magnum sein. Druckfehler versetzten ihn in Rage. Als dann der Ruhm kam, flammte Schopenhauer noch einmal auf: "Aber meine Werke haben eingeschlagen, und daß es kracht", schrieb er, und: "Und es wird noch viel besser kommen: noch sehr viele Jahre hindurch wird mein Ruhm wachsen, und zwar nach den Gesetzen einer Feuersbrunst."