Wir verstehen uns als Europäer, doch unsere traditionell verankerte Vorstellung von europäischer Kultur ist fragwürdig. Denn wir schleppen aus der Kolonialzeit und aus der Romantik Ansichten mit, die unseren Blick auf Geschichte und das geopolitische Selbstverständnis eurozentristisch verzerren und die Zukunft unseres Kontinents belasten. Dag Nikolaus Hasse ermutigt zu einem offeneren Nachdenken über Europa, dessen geistige Wurzeln weiter und dessen Verbindungen zu kontinentalen Nachbarn intensiver sind, als viele glauben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.01.2022
Rezensent Helmut Mayer findet das Fazit des Buches des Historikers Dag Nikolaus Hasse zwar nicht überraschend, wie der Autor die "Fallstricke" eines auf ein irgendwie gemeinschaftliches Europa abzielenden Lobes aufzeigt, scheint ihm aber dennoch lesenswert und lehrreich. Konzis und anhand zentraler Motive und Traditionen wie Wissenschaft, Demokratie und Aufklärung zeigt der Autor laut Mayer, dass im Zweifelsfall muslimische oder jüdische Anteile großzügig ausgeklammert werden, um einen europäischen Sonderweg zu beschwören. Was europäische Kultur ausmacht, so lernt Wagner, lässt sich allenfalls als "Netz kultureller Formen und Praktiken" bestimmen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.12.2021
Rezensent Gustav Seibt lernt, was europäisch ist mit Dag Nikolaus Hasses Buch. Für den Autor wäre das eine Rechtsgemeinschaft, keine Wertegemeinschaft, so Seibt. Anregend findet der Rezensent, wie faktenreich der Mittellateiner und Arabist Hasse nachweist, dass die Idee von der Gemeinschaft aus zivilisatorischen Errungenschaften nicht aufgeht, weil die ideellen Momente nicht exklusiv europäisch sind oder nicht für ganz Europa gelten. Die "geistigen Heimaten" von Europäern wie Milan Kundera oder Remi Brague gelten als Beispiele, erläutert Seibt. Hasses Gegenidee, ein räumlicher Europa-Begriff nach Art des Mittelalters, aber mit "offenen Rändern", scheint Seibt bedenkenswert.
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