In einer ungerechten Gesellschaft kann das Bildungssystem nicht gerecht sein. In diesem Buch analysiert Aladin El-Mafaalani aus unterschiedlichen Perspektiven die Probleme und paradoxen Effekte des Bildungssystems, seine Dynamik und seine Trägheit. Eine umfassende Diagnose, ein Plädoyer dafür, soziale Ungleichheit im Bildungswesen endlich in den Fokus der Bildungspolitik und -praxis zu rücken, und zugleich eine Absage an Visionen und Revolutionen: Es geht darum, was jetzt wichtig und realistisch ist. "Mit Bildung löst man kein einziges der großen gesellschaftlichen Probleme, etwa die vielen offenen Fragen der Digitalisierung, den fortschreitenden Klimawandel oder den Umgang mit globaler Migration. Selbst die aufgeheizte gesellschaftliche Stimmung oder die Konzentration von Problemlagen in bestimmten Stadtteilen wird sich durch eine Ausweitung und Aufwertung von Bildungsinstitutionen nicht abschwächen. Es geht um eine Verringerung von Chancenungleichheit, um die Erweiterung von Erfahrungshorizonten und Zukunftsperspektiven für alle Kinder und um die Vorbereitung der nächsten Generationen auf die unbekannten Herausforderungen einer zunehmend komplexer werdenden Gesellschaft. Nur darum geht es. Nicht mehr und nicht weniger." Aladin El-Mafaalani
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.04.2020
Rezensentin Hannah Bethke sieht den Erziehungswissenschaftler Aladin El-Mafaalani in die Sackgasse laufen. Den vom Autor bemühten Teufelskreis aus bildungsfernen Lebensbedingungen und geringen Bildungschancen kennt Bethke bereits. Das El-Mafaalani über die "Selektionswut" des deutschen Schulsystems herzieht, aber übersieht, dass eine Realschulempfehlung nicht immer Ausdruck sozialer Benachteiligung und das Bildungssystem bei uns relativ durchlässig ist, findet sie bedauerlich. Die Benachteiligung von Leistungsstarken in den vom Autor präferierten Gesamtschulen kommt im Buch laut Bethke leider auch nicht zur Sprache.
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