Der Rechtsstaat bricht sein zentrales Versprechen. Das Versprechen lautet, dass alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind. Aber sie sind nicht gleich. Das Recht hierzulande begünstigt jene, die begütert sind; es benachteiligt die, die wenig oder nichts haben. Verfahren wegen Wirtschaftsdelikten in Millionenhöhe enden mit minimalen Strafen oder werden eingestellt. Prozesse gegen Menschen, die ein Brot stehlen oder wiederholt schwarzfahren, enden hart und immer härter. In einer beunruhigenden Reportage deckt der Jurist Ronen Steinke systematische Ungerechtigkeit im Strafsystem auf. Er besucht Haftanstalten, recherchiert bei Staatsanwältinnen, Richtern, Anwälten und Verurteilten. Und er stellt dringende Forderungen, was sich ändern muss.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 16.03.2022
Rezensentin Lea Fauth lernt viel über "Klassenjustiz" bei Ronen Steinke. Seine immer wieder zwischen akribischer Analyse und gut informierter Reportage wechselnde Darstellung dieses Systems zeigt anhand von Beispielen wie den Konsequenzen, die Obdachlose bei Diebstahl zu spüren bekommen oder in Gefängnissen gelandeten Zahlungsunfähigen, dass man als mittellose Person in Deutschland vor dem Gesetz mehrfach bestraft wird - denn die Strafen fallen zumeist höher aus, als bei Personen, die ein Vermögen besitzen, und eine Pflichtverteidigung gibt es auch nur bei 10% der Straffälle, wodurch Menschen, die sich keine AnwältInnen leisten können alleine dastehen, lernt die Rezensentin. Ein erschreckender Befund, meint Fauth und hofft auf zahlreiche LeserInnen des Buches.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.02.2022
Für den Rezensenten Michael Pawlik gibt Ronen Steinkes Kritik am Zustand der deutschen Strafrechtspflege auch einen Hinweis auf den Zustand der Gesellschaft. Die vom Autor bemängelte Ungleichheit vor dem Gesetz etwa macht für Pawlik deutlich, dass dem System die Richter und Pflichtverteidiger fehlen, nicht nur das Geld. Die Vorschläge des Autors für die Erhaltung strafrechtlicher Standards findet Pawlik allerdings nicht sehr überzeugend, weil sie entweder mit dem Prinzip der Rechtsanwendungsgleichheit kollidieren oder auf bloße Investitionen setzen.
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