9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Digitalisierung

87 Presseschau-Absätze - Seite 2 von 9

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.04.2026 - Digitalisierung

Es hat keinen Sinn mehr, die Plattformen regulieren zu wollen, meint der ehemalige Faktenchecker, heutige FC-St.-Pauli-Sprecher und Rechtsextremismusexperte Patrick Gensing in der taz, es kommt drauf an, sie wegzukriegen: "Die eigentliche Herausforderung liegt deshalb nicht in Detailkorrekturen einzelner Plattformpraktiken, sondern im Bruch mit ihrer monopolartigen Stellung über weite Teile politischer Kommunikation. Es geht um die Rückgewinnung öffentlicher Räume, in denen Sichtbarkeit nicht gekauft, Fakten nicht beliebig relativiert werden und demokratische Aushandlung nicht algorithmisch verzerrt wird." Wie genau das geschehen soll - vielleicht im Rahmen eines Sieges von St. Pauli über Bayern München? - erwähnt der Autor leider nicht.
Stichwörter: Plattformkonzerne, Big Data

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.04.2026 - Digitalisierung

In Deutschland haben wir zwar nicht so viel Expertise in Künstlicher Intelligenz, dafür sind wir aber in Ethik gut aufgestellt. Rainer Mühlhoff leitet an den Uni Osnabrück einen Lehrstuhl für Ethik der KI und warnt im Gespräch mit Jacob Gehring von der FAZ vor den neuen Ideologien aus Silicon Valley: "Techideologien liefern eine Art evolutionäre Legitimation für soziale Ungleichheit, Ausbeutung und sogar antidemokratische Staatsformen. Viele Akteure im Silicon Valley glauben, dass gesellschaftliche Probleme primär durch Technologie lösbar sind. Das betrifft etwa Verwaltung, Wirtschaft oder politische Entscheidungsprozesse. In dieser Logik erscheint auch ein grundlegender Umbau von Staat und Gesellschaft als Teil einer "natürlichen" Entwicklung. Politik wird dabei zunehmend durch technologische Systeme ersetzt oder überformt."
Stichwörter: Künstliche Intelligenz

9punkt - Die Debattenrundschau vom 31.03.2026 - Digitalisierung

Vor ein paar Monaten, als wegen Trump-Äußerungen die Empörung mal wieder groß war, beschlossen europäische Regierungschefs mehr auf "digitale Souveränität" zu setzen, dringend nötig, da ein Großteil europäischer Verwaltungen Microsoft mästet. Eine Umfrage der europäischen Suchmaschine Ecosia zeigt aber, dass seitdem kaum etwas geschehen ist, berichtet Sophia Coper in der FAZ. Immerhin: Das Land Schleswig-Holstein stemmt sich tapfer gegen die Riesen, "setzt dabei auf Open-Source-Programme in der Verwaltung. Browser und Suchmaschinen stammen indes von US-Anbietern, so das Ergebnis der Erhebung von Ecosia. Man verfolge 'keine ausdrückliche 'buy european strategy', erklärt Digitalminister Dirk Schrödter auf Anfrage der FAZ, digitale Souveränität erreiche man nicht, wenn man sich statt von US-Unternehmen von europäischen Unternehmen abhängig mache. Aus Sicht der Landesregierung sei es wichtig 'auf Lösungen zu setzen, die in einer aktiven Developer Community entwickelt werden', sagt Schrödter."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.03.2026 - Digitalisierung

Buch in der Debatte

Bestellen Sie bei eichendorff21!
Wir treten gerade in eine neue Epoche ein, die von Trumps Aufkündigung eines globalen Welthandels und seiner destruktiven Außenpolitik geprägt ist, aber noch mehr vom digitalen Kapitalismus, meint im Interview mit der FR der Historiker Quinn Slobodian. Für diesen Wandel steht vor allem Elon Musk, über den Slobodian zusammen mit Ben Tarnoff gerade ein Buch geschrieben hat. Er leugnet nicht die "destruktiven, inhumanen und zutiefst misanthropischen Seiten" von Musks Weltbild, erkennt aber auch seine Stärken an, zum Beispiel "sein klares Gespür für die Verwundbarkeit einer Weltwirtschaft, die so stark von fossilen Energieträgern abhängt. Seit den 2000er-Jahren propagiert er die Vision von Elektrifizierung und erneuerbaren Energien, und das ist einer der Schlüssel seines Erfolgs gewesen. ... Heute betont Musk erneut die zentrale Bedeutung der Sonnenenergie. Eine seiner derzeit großen Wetten ist die Idee orbitaler KI-Rechenzentren, die den Energieengpass des generativen KI-Sektors überwinden sollen, indem Rechenzentren im Weltraum betrieben, durch das Vakuum gekühlt und direkt mit Sonnenenergie versorgt werden."

Ein Gericht in Los Angeles hat entschieden, dass die Social-Media-Anwendungen von Meta und Youtube süchtig machen und psychische Schäden verursachen" berichtet Andrian Kreye in der SZ. Die beiden Firmen müssen nun "insgesamt sechs Millionen US-Dollar (5,2 Millionen Euro) Schadenersatz und Strafen an die Klägerin bezahlen". Gleichzeitig wurde Meta in New Mexico "zu einer Geldstrafe von 375 Millionen Dollar verurteilt, weil sie trotz besseren Wissens keinen ausreichenden Kinder- und Jugendschutz gewährleistet habe". Dies könnte zu nachhaltigen Veränderungen der digitalen Welt führen, hofft Kreye: "Die Urteile und alle kommenden Verfahren sollten ein Anstoß sein, die Digitalkonzerne zu zwingen, ihre Strukturen zu überarbeiten. Technisch ist es möglich, die Suchtmechanismen und die Schwachstellen in den Griff zu bekommen. Ökonomisch nicht. Meta und Google gehören zu den erfolgreichsten Geschäftsmodellen in der Geschichte der Menschheit."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.03.2026 - Digitalisierung

Auf X können Nutzer das Sprachmodell Grok dazu auffordern, jemanden mal so richtig zu "roasten", also zu beleidigen, wobei der Chatbot dann in die untersten Schubladen greift, schreibt Stefan Niggemeier in der SZ. "Ließe sich auch gegen X oder xAI als Anbieter der Beleidigungsmaschine vorgehen? Der Anwalt Tobias Voßberg meint, ja: ''Roasts' sind eindeutig Persönlichkeitsrechtsverletzungen, die öffentlich verbreitet werden. Betroffene können gegen X Unterlassungs- und Beseitigungsansprüche geltend machen.'" Vor Gericht könnte X für die Beleidigungen zur Verantwortung gezogen werden, da ihr Chatbot dahinter steckt und nicht ein einzelner User sich diese Formulierungen ausdenkt. "X könne mit der 'Roasting'-Funktion ohne geeignete Maßnahmen, um schwere Beleidigungen zu verhindern, auch gegen den Digital Services Act der EU verstoßen. Jedenfalls sieht Voßberg als Hauptverantwortlichen im juristischen Sinne klar X als Betreiber - und nicht den Nutzer, der ein 'Roasting' in Auftrag gibt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.03.2026 - Digitalisierung

Das Social-Media-Verbot für Jugendliche in Australien funktioniert, freut sich Helmut Hartung in der FAZ: "Nach Auskunft der australischen Regierung wurden in den ersten zwei Tage 4,7 Millionen Konten von unter 16-Jährigen deaktiviert. Auf dem Kontinent gibt es etwa 2,5 Millionen Acht- bis 15-Jährige. Fast 84 Prozent der Acht- bis Zwölf-Jährigen hatten zuvor mindestens ein Social-Media-Konto. Damit ist eine beträchtliche Zahl der Konten Minderjähriger geschlossen worden." Hartung befragt deutsche Experten, die ein solches Verbot auf europäischer Ebene ebenfalls befürworten, etwa die in Australien lehrende Expertin Ingrid Volkmer, die empfiehlt, dass "eine solche Beschränkung, wie eine Altersbegrenzung bei Kinofilmen, ohne ideologische Scheuklappen, offen diskutiert werden" sollte.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.03.2026 - Digitalisierung

Die EU hat angeblich inzwischen begriffen, dass es nicht gut ist, wenn Europa die Digitalisierung amerikanischen und chinesischen Konzernen überlässt. Unter der Schirmherrschaft der einstigen EU-Kommissarin Margrethe Vestager, einst der Regulierungsschreck von Google und Co., kommen europäische Unternehmen in verschiedenen Konferenzen zusammen, um den amerikanischen Oligarchen etwas entgegenzusetzen, berichtet Lisa Hegemann euphorisch für die Zeit. Einige hoffnungsvolle Ansätze gebe es bereits: "Da ist das Start-up Crags, das Kletterer zusammenbringt. Die Datingplattform Cherrish, die Männer für erfolgreiche Frauen finden will. Das Freundschaftsportal Fredie, das die Gen Z weniger einsam machen will. Die Musikplattform Sleeve, die Künstlerinnen fairer vergüten will."
Stichwörter: Soziale Medien, Social Media

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.03.2026 - Digitalisierung

Ausgerechnet die Deutschen interessieren sich kaum für die Sicherheit ihrer Daten, wenn's der Bequemlichkeit dient? Meredith Whittaker, Präsidentin der alternativen Kommunikations-App Signal kann es im Interview mit der Zeit kaum fassen: "Ausgerechnet in Deutschland, are you kidding me?! Die Macht der Stasi beruhte doch nicht auf physischer Gewalt, sondern auf Informationsasymmetrie! Sie machte intimes Wissen über die Menschen zur Waffe und nutzte ihre Angst vor Ausgrenzung, Scham, wirtschaftlicher Unsicherheit und sozialem Abstieg. Entschuldigung, ich wollte nicht laut werden, aber wenn die Menschen das nicht verstehen, dann weiß ich auch nicht, was ich noch machen soll."

"Die Politik wird scheitern, aber die Ingenieure, Chemiker und Physiker werden die Menschheit retten", verkündet frohgemut der Wirtschaftsnobelpreisträger Joel Mokyr ebenfalls im Interview mit der Zeit. Klar könne beispielsweise KI gefährlich werden: "Das heißt aber auch nicht, dass wir diese Werkzeuge von vornherein nicht entwickeln sollten. Es bedeutet, dass wir ihren Missbrauch so weit wie möglich verhindern sollten. Die gleichen Werkzeuge, mit denen Twitter erstellt wurde, können auch dazu verwendet werden, Hassrede und ähnliche Dinge herauszufiltern. Dafür ist die staatliche Aufsicht gemacht."

In der taz freut sich Mathias Greffrath schon auf seinen Pflegeroboter! Aber im Ernst, dem digitalen Fortschritt kann er wenig abgewinnen: "Das Verschwinden analoger Beziehungen - zu Deutsch: direkter menschlicher Kontakte - aus dem Gewebe der Gesellschaft ist, so glaube ich, das folgenreichste, anthropologisch tief wirkende Merkmal der digitalen Zeitenwende. Diese Rationalisierung von Nähe und Nachbarschaft spielt in vielen Formen und hat nicht erst jetzt begonnen: Die Abschaffung des Kassierers bei der SPD hat den Mitgliederschwund mit beschleunigt; die Privatisierung der Pflege den Beruf der Gemeindeschwester aussterben lassen; die Schematisierung der 'Lernerfolge' den Lehrer zum Vermittler degradiert. Das Soziale wird immer mehr zum Beiprodukt - oder ausgegliedert: an Personal Coaches, Berater, Animateure, Therapeuten und Gurus aller Art. Kostenpflichtig. Die Logik heißt: Mehr arbeiten im 'produktiven Kern', damit wir uns menschlichen Kontakt dazubuchen können. Im Alter wird's dann eng".

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.02.2026 - Digitalisierung

Bestellen Sie bei eichendorff21!
Der prominente Philosoph Markus Gabriel hat mit "Ethische Intelligenz" ein recht optimistisches Buch über Künstliche Intelligenz vorgelegt. Im Gespräch mit FAZ-Autor Fabian Ebeling legt er dar, dass er sich auch als Professor noch als Herr des Geschehens liest - Studenten können ihn mit Ki jedenfalls nicht betupsen: "Um mit einer KI eine gute Hausarbeit zu schreiben, braucht man Skills, mit denen man sie auch alleine schreiben könnte. Als Hochschullehrer kann ich den typischen Stil einer KI erkennen - oft kann man sagen: 'Das war Claude, das war ChatGPT, das war Perplexity.' Ich glaube aber, das liegt auch daran, dass KIs weniger automatisieren als vielmehr assistieren. Der erste Fehler bei der KI war, dass man dachte, jetzt verschwindet der Mensch." Allerdings sagt Gabriel auch einen Satz, der an seiner eigenen Zunft zweifeln lässt: "Vielleicht ist im Falle der Intelligenz die Simulation bereits die Sache selbst."

Die meisten amerikanischen KI-Firmen wie Alphabet, xAI und OpenAI haben Abkommen mit ihrer Regierung geschlossen und dabei "teilweise die üblichen Nutzungsbeschränkungen für das Militärnetzwerk aufgehoben", berichtet die Zeit. Die Firma Anthropic will das jedoch nicht zulassen, weshalb Verteidigungsminister Pete Hegseth gedroht hat, "Anthropic aus seinen Systemen zu entfernen, wenn das Unternehmen an seinen Schutzmaßnahmen festhalte. Zudem habe es gedroht, die Firma als 'Risiko für die Lieferkette' einzustufen und den Defense Production Act anzuwenden, um die Entfernung der Schutzmaßnahmen zu erzwingen", so die Zeit-Meldung. Dennoch will sich Anthropic-Gründer Dario Amodei nicht auf die Bedingungen Hegseths einlassen. Und die hätten es in sich, meint Andrian Kreye in der SZ: "Seit gut einem Jahr verwendet das amerikanische Verteidigungsministerium Anthropics Large Language Model Claude für sein geheimes KI-Projekt, bei dem die Streitkräfte digital aufgerüstet werden sollen. Amodei sieht das ganz prinzipiell als Beitrag für die Verteidigung der Demokratie. Allerdings soll Claude nur mit ein paar Einschränkungen eingesetzt werden. Die KI soll keine autonomen Waffen steuern, bei denen die Maschinen Entscheidungen über Leben und Tod fällen. Und Claude soll nicht für die Massenüberwachung von amerikanischen Bürgern eingesetzt werden." Hier begründet Amodei seine Entscheidung in einem längeren Essay.

Künstler, aber auch Übersetzer oder Buchhalter könnten durch KI bald massenhaft arbeitslos werden, warnt Björn Hayer in der FR. Er plädiert deshalb für ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle Berufe, die von KI bedroht sind, das die Tech-Konzerne zahlen sollen: "Die Maschinen mögen immer differenzierter und genauer werden, Sozial- und Wirtschaftssysteme hinken derweil hinterher. Es mangelt an Visionen zu deren Anpassung an den technologischen Fortschritt. Es geht dabei nicht um Almosen. Denn da KI selbst nichts schafft, sondern nur Vorhandenes mixt, bedürfen wir Ideen. Unserer Ideen. Der Mensch muss Vordenker bleiben und es sich im buchstäblichen Sinne leisten können."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.02.2026 - Digitalisierung

Was soll's, wenn KI doch recht häufig "halluziniert"? Verfechter der neuen Technologie behaupten, das werde mit der Zeit schon besser werden. Jan Wiele erkennt in diesem Denken im Feuilletonaufmacher der FAZ religiöse Züge. Hier liege eine "kategoriensprengende Vermischung von Glaubens- und Wissensfragen" vor. "Die KI-Prediger sparen nicht mit Heilsversprechen, wie schon öfter bemerkt wurde, etwa angesichts von Äußerungen charismatischer Figuren wie dem Tech-Investor Peter Thiel und dem Open-AI-Gründer Sam Altman. Letzterer hatte das Ziel ausgegeben, 'magische Intelligenz im Himmel zu schaffen'. Auch mit Vorstellungen vom 'Transhumanismus' knüpfen Gestalten aus dem Silicon Valley an technoreligiöse Überzeugungen an, die in den Sechzigerjahren oder noch viel tiefer in der Moderne wurzeln."
Stichwörter: Künstliche Intelligenz