In den USA ist der
Widerstand gegen KI und
Rechenzentren keineswegs allein eine Domäne linker Gruppen, beobachtet der Politologe
Andreas Busch auf der "Gegenwart"-Seite der
FAZ. Zu den Skeptikern zählt er einerseits
Steve Bannon, andererseits
Bernie Sanders. Und auch Trump-wählende Bauern leisten massiven Widerstand, wenn Rechenzentren in ihrer Nähe Wasser absaugen. "Was diese heterogene Koalition zusammenhält, ist nicht Technologiefeindlichkeit. Es ist die Überzeugung, dass die Gewinne der KI-Revolution bei den - so die immer wiederkehrende Formulierung - '
Superreichen'
des Silicon Valley landeten. Die Kosten würden hingegen von der Mittel- und Arbeiterklasse getragen: steigende Energiepreise, belastete Wasserreserven, bedrohte Arbeitsplätze. Eine Umfrage der Quinnipiac University vom April 2026 zeigt, dass 55 Prozent der erwachsenen Amerikaner Künstliche Intelligenz inzwischen als eine Kraft betrachten, die
eher schadet,
als nützt. Die Technologiebranche hat ein Imageproblem - und es wird schlimmer."
Papst
Leo XIV. hat seine erste Enzyklika veröffentlicht, ein ausführliches Dokument namens "
Magnifica Humanitas" (Text auf deutsch
hier), das sich mit
Künstlicher Intelligenz befasst und in allen Zeitungen Thema ist. Der Papst weist der KI "theologisch ihren Platz zu", schreibt Gustav Seibt in der
SZ. Entscheidend sei für Leo, dass die Maschine nicht
an einen Körper gebunden sei. "Künstliche Intelligenzen ermangeln also
aller Merkmale des Menschseins und seiner Kreatürlichkeit, das ist der Kernpunkt ihrer Wahrnehmung durch den christlichen Glauben. Darin ist die scharfe Ablehnung aller Konzeptionen von Post-,
gar Transhumanismus enthalten. Es gibt kein Mensch-Maschine-Kontinuum, keinen Platztausch zwischen humaner und rechnergestützter Intelligenz."
Sind wir Menschen im Grunde auch nur Computer, "Fleischcomputer", wie Elon Musk das nennt? Die
Sozialtheoretikerin Anna-
Verena Nosthoff lehnt das im Interview mit der
Zeit strikt ab: Menschen sind mehr als nur "Blackboxes", die man umprogrammieren und über Künstliche Intelligenz steuern kann. Kybernetik, also "die Wissenschaft davon, wie Systeme sich steuern und selbst regeln", interessiere sich nicht für Wesensfragen, und das sei gefährlich, so Nosthoff. "Wer Wesensfragen nicht mehr stellt, gibt den
Anspruch auf Verantwortung und Nachvollziehbarkeit auf. Im Silicon Valley wird argumentiert, die KI würde irgendwann Entscheidungen treffen, die wir kognitiv gar nicht mehr bewerten können. Die Konsequenz wäre: Was die Maschine fordert, ist per Definition rational - wir verstehen es nur nicht. Das ist ein
Freifahrtschein für die Entwickler hinter den Technologien. Das wird immer relevanter, denn es werden zunehmend Systeme für den Krieg gebaut - denken Sie an Palantir - mit autonomen Drohnen und Software zur Zielerfassung und Feindanalyse. Gewissermaßen eine Rückbesinnung auf den Ursprung der Kybernetik in der Kriegslogik."
Holger Schmidt thematisiert auf den Wirtschaftsseiten der
FAZ einen ganz anderen Aspekt der KI. Von Stellenstreichungen durch KI-Rationalisierungen sind bisher
vor allem Frauen betroffen: "Von den rund sechs Millionen Beschäftigten mit hoher KI-Exposition und zugleich geringer Anpassungsfähigkeit sind
86 Prozent Frauen, und überwiegend solche in Verwaltungs- und Büroberufen. Die Stellenpläne der Großunternehmen folgen dem Muster. Die Reederei Maersk hat im vergangenen Jahr weltweit tausend Verwaltungsstellen gestrichen, der Konsumgüter-Konzern Procter & Gamble und der Internet-Konzern Amazon haben Entlassungswellen vor allem in den unterstützenden Funktionen vorgenommen. In Deutschland kündigte ERGO im Februar an, bis zum Jahr 2030 Stellen in
Callcentern,
Schadenbearbeitung und
Schriftgutbearbeitung abzubauen."