Aus dem Englischen von Simone Jakob. "Hör auf zu lügen! Jeder weiß, dass es keine Juden mehr gibt." Mit diesem Kommentar seines Klassenkameraden beginnt für Yascha Mounk die Auseinandersetzung mit seinem Jüdischsein. Er, der als einer von zwei Juden (er und seine Mutter) in dem schwäbischen Nest Laupheim aufgewachsen ist, erlebte das verkrampfte Verhältnis vieler Deutscher zu Juden bereits in jungen Jahren. Ob es antisemitische Reaktionen sind oder das Gegenteil, betontes Wohlwollen - die meisten Deutschen behandeln Juden einfach nicht normal. Yascha Mounk, mittlerweile unterrichtet er Politische Theorie in Harvard, fragt, welches Licht seine Erfahrungen auf das heutige Deutschland werfen können.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.12.2015
Lena Bopp schüttelt mitunter den Kopf angesichts der Erfahrungen mit Antisemitismus und Schuldkomplexen, die Yascha Mounk in Deutschland machen musste. Was der Autor zum deutsch-jüdischen Verhältnis zu sagen hat, lässt sie aufhorchen, die gewählte offene Form birgt laut Bopp allerdings das Risiko der Ungenauigkeit und Pauschalisierung, etwa wenn Mounk den Autor Jörg Friedrich kritisiert und mittels Überlegungen zur AfD, zur Demografie und zum Bildungssystem nicht weniger als eine Geschichte der deutsch-jüdischen Beziehungen seit 1945 anpeilt. Aufschlussreicher findet die Rezensentin Mounks persönliche Erlebnisberichte aus jüngerer Zeit.
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