Wolfgang Schivelbusch

Rückzug

Geschichten eines Tabus
Cover: Rückzug
Carl Hanser Verlag, München 2019
ISBN 9783446262287
Gebunden, 112 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Dass es immer vorwärtsgeht, gehört zu den Überzeugungen der Moderne: Der Rückzug ist nicht vorgesehen. Und doch befindet sich der Westen - seit dem Ende der Kolonialreiche und dem Aufstieg Chinas - auf dem Rückzug. Aber er meidet dieses Wort. Lieber spricht man von einer "Exit-Strategie" oder von der "Globalisierung", wenn von militärischen Niederlagen oder dem Verlust der Hegemonie auf den Weltmärkten die Rede ist. Wolfgang Schivelbusch zeigt an fünf Beispielen von der Französischen Revolution bis zum Vietnamkrieg, wie der Tabubruch des Rückzugs in unterschiedlichen Situationen gerechtfertigt wurde - und entdeckt verstörende Parallelen zu unserer Gegenwart.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 11.04.2019

Stefan Reinecke wird nicht glücklich mit Wolfgang Schivelbuschs Versuch, mit dem Rückzugs-Tabu die Moderne zu erklären. Die These ragt übergroß aus dem zu kleinen Text, findet er. Allzu monochrom erscheint ihm Schivelbuschs Ordnung mit kriegerischer Zurückhaltung vor und Gewaltentfesslung nach 1789. Dass der Autor die kurze Form beherrscht, frisch und flüssig schreibt, will Reinecke nicht bestreiten. Nur fehlt ihm die Präzision, wenn der Autor den Rückzug als roten Faden der Militärgeschichte spinnt - reichlich assoziativ und wenig differenziert, wie er findet.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.03.2019

Rezensentin Franziska Augstein hat einiges an diesem Buch des Historikers Wolfgang Schivelbusch auszusetzen. Dass Schivelbuschs Essay zwischen wissenschaftlichem Anspruch und "Satire" hin- und herpendelt, mag für die Kritikerin noch in Ordnung gehen. Aber schon die These des Autors, dass der biologische Instinkt eine geordnete Flucht in Gefahrensituationen gewährleiste, entkräftet die Kritikerin mit dem Hinweis auf den Ausruf "Rette sich, wer kann" in Notsituationen. Wenn Schivelbusch im weiteren Verlauf behauptet, der Vietnamkrieg sei das Ergebnis der Ausdehnung der USA gen China, das als "Mündel" im internationalen Handel den Schutz der USA verdient habe oder schreibt, der Begriff der Globalisierung diene lediglich, um den "Rückzugs des Westens aus der Weltherrschaft" zu verschleiern, kann die Rezensentin nur noch den Kopf schütteln. Und Schivelbuschs Vergleich zwischen Churchills Aufrufen zum Durchhalten gegen NS-Deutschland und Hitlers späten "Endkampf-Visionen" findet die Kritikerin schlicht nicht "zumutbar".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.03.2019

Rezensent Jürgen Osterhammel stört sich an der Sprunghaftigkeit und der Willkür der Komposition des Buches von Wolfgang Schivelbusch. Der Mix aus quellennaher historischer Analyse, Essay und Skizze tut dem Buch nicht gut, findet der Rezensent. Auch wenn es dem Autor laut Osterhammel vor allem um Militärgeschichtliches geht, entdeckt der Rezensent im Hintergrund des Ganzen doch die geschichtsphilosophische These vom Rückzug des Westens (Vietnam!), die allerdings leider nicht vertieft wird, wie er bedauernd feststellt. Wenn Schivelbusch sich die beiden Weltkriege vornimmt und seine militärischen Überlegungen durch die Diskussion von Siegerlegenden ersetzt, fühlt sich Osterhammel mit einem grundlosen Perspektivwechsel konfrontiert. Leicht irritiert klappt er das Buch zu.
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