Klappentext

Mit Beiträgen von Horst Bredekamp, Jens Malte Fischer, Egon Flaig, Ernst Osterkamp, Michael Thimann und Eberhard Lämmert. Die Politik ist ein schmutziges Geschäft, die Politiker sind langweilig und korrupt, Politik ist immer enttäuschend, immer banal. So alt wie diese Klage ist die Idee von einem Staat, der von Künstlern und der Kunst beherrscht wird - ein Traum von einer besseren Politik, der mit der Instrumentalisierung der Künste in den Diktaturen des 20. Jahrhunderts endgültig geplatzt ist. Dieser Band zeigt, wie unterschiedlich der Traum vom besseren Staat geträumt wurde - von der Renaissance bis zu Georges Dichterstaat.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.08.2006

Erfreulich findet Rezensent Tim B. Müller diesen Band über die traditionsreiche Utopie vom Künstlerstaat, den Ulrich Raulff herausgegeben hat. Die Lektüre des Bandes verdeutlicht für Müller schnell, dass das Modell des Künstlers auf dem Thron besser im Reich der Ideen aufgehoben ist als in der Realität. Zustimmend äußert er sich hier über Rene Königs Einschätzung, die ästhetische Radikalität der Kunst werde im Bereich der Politik notwendig zu Fanatismus und Gewalt. Neben Ulrich Raulffs Aufsatz über Burckhardts Idee vom dem keinen Gesetzen unterworfenen Staatskünstler hebt Müller den Beitrag Egon Flaigs über den Kaiser und Möchtegernkünstler Nero hervor, der um der Kunst willen Rom in Flammen aufgehen ließ. Lobend erwähnt er zudem Horst Bredekamps Blick auf den Ursprung des abendländischen Sonderstatus von Künstlern und Herrschern.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.04.2006

Angetan berichtet der mit "lx" zeichnende Rezensent von der Niederschrift eines der Utopie des Künstlerstaates gewidmeten Symposiums im Wissenschaftskolleg zu Berlin, bei dem sich herausstellte, dass der Traum vom Künstlerstaat lieber ein solcher bleiben solle. Besonderes Augenmerk richtet der Rezensent auf Ulrich Raulffs einleitenden Essay, der an mehreren Beispielen aus der Vorkriegszeit - Schriften der noch jungen Helmuth Plessner und Ernst Jünger sowie Martin Heideggers - aufzeigt, wie sehr der Traum vom "ästhetischen" Staaat "Familienähnlichkeiten mit einer Diktatur" aufweist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.04.2006

Von Nero bis Günther Grass reichten die "Fallstudien" zu Künstlern als politischen Aktivisten, und alle sieben Beiträge seien eine "wunderbare" Lektüre, lobt Rezensentin Christine Tauber. Einzig die Rolle Jacob Burckhardts als "Apologeten der Gewalt" scheint ihr unangemessen dargestellt zu sein angesichts von dessen "tief verwurzelter" Kritik des modernen Nationalstaats. Weitere Beiträge beschäftigten sich mit Michelangelos "Pathos der Exterritorialität" gegenüber seinen Auftraggebern oder Richard Wagners "Hassliebe" zu Ludwig II. Geradezu "brillant" findet die Rezensentin Eberhard Lämmerts Aufsatz zur Metapher des "Dichterfürsten" von Goethe bis in zur Gegenwart. In jedem Künstler stecke notwendig ein Despot, referiert die Rezensentin den "Lerneffekt" des Bandes, und dem Beispiel der Nazarener in Rom folgend sollten sie es beispielsweise bei einer "Diktatur der flächendeckenden Freskomalerei" belassen.
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