"Ich reise niemals nach Paris, lebe tief in meiner Provinz und bin der unbekannteste aller Menschen." Das behauptet 1895, zehn Jahre vor seinem Tod, ein Schriftsteller, der seit Über dreißig Jahren regelmäßig Bücher veröffentlicht, die ihn zum erfolgreichen Begründer des "wissenschaftlichen Romans" gemacht haben und die, seit Jahrzehnten in ein Dutzend Sprachen Übersetzt, mit ihren Figuren und Themen schon zu Lebzeiten zu Mythen der Moderne wurden: Jules Verne. So populär und berühmt seine Werke, die Über 60 Bände seiner Voyages Extraordinaires, auch sein mögen, so unscheinbar ist der Mensch - doch wer war Jules Verne tatsächlich? Auch wenn die Wirklichkeit weniger spektakulär ist als die fantastischen literarischen Welten, weniger aufregend ist sie deshalb nicht. Denn ungeahnt und vielfältig sind die Berührungspunkte. Volker Dehs hat sie mit sicherem Urteil und einer ganz außergewöhnlichen Kennerschaft aufgespürt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.03.2005
Wenn man die Materialfülle betrachtet, die Volker Dehs in seiner Biografie von Jules Verne zusammengetragen hat, dürfte Verne in ihm seinen "idealen Biografen gefunden" haben, meint ein unfroher Nico Bleutge. Der Autor hat sich für seine Lebensbeschreibung des französischen Schriftstellers offensichtlich "Vollständigkeit" vorgenommen und hier liegt auch eines der Probleme, die der Rezensent mit dem Buch hat. Denn wozu, fragt sich Bleutge, nimmt sich Dehs bei Vernes Theaterarbeiten auch noch vor, die "Geschichte der Operette" darzustellen? Auch politische Hintergründe schildere er zumeist nur um ihrer selbst willen, ohne das ein klarer Bezug zum Leben Vernes ersichtlich werde, moniert der Rezensent. Er räumt ein, dass durchaus "kluge Einzeleinsichten" in der Biografie zu finden sind, aber Bleutge fehlen "Leitthesen", die das Ganze strukturieren würden und stört sich deshalb auch an der "schnöden Chronologie", an der sich der Autor orientiert. Der Rezensent zeigt sich außerdem etwas genervt von den vielen Inhaltsangaben von Vernes Werken, mit denen der Autor "Seite um Seite" füllt. Schlimmer allerdings findet der Rezensent, dass sich Dehs des "uralten Tricks der biografistischen Schule" bedient und immer wieder auf lebensgeschichtliche Hintergründe in den Romanen des Schriftstellers hinweist. Das, so der Rezensent etwas empört, "widerspricht auch Vernes Selbstverständnis".
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