Siebenunddreißig repräsentative Werke der deutschsprachigen Literatur wählt Walter Hinck, um gegen den Strich des eingebürgerten Kanons Bilanz zu ziehen. Seine Romanporträts lassen die Grundlinien eines Jahrhunderts politischer, sozialer und geistiger Umbrüche erkennen: In der Roman-Chronik zeigt sich die Chronik der Geschichte. So entsteht eine Überschau über die Erzählkunst des zwanzigsten Jahrhunderts und das Geschichtsbewusstsein der Autoren. Die Reihe der vorgestellten Erzähler reicht von Heinrich und Thomas Mann über Schnitzler und Musil, Robert Walser und Kafka, Rilke und Hesse, Hermann Broch, Joseph Roth und Doderer, Anna Seghers, Koeppen und Frisch, Döblin, Ernst Jünger und Andersch, Arno Schmidt und Uwe Johnson, Siegfried Lenz und Peter Weiss, Christa Wolf, Elfriede Jelinek und Herta Müller, Grass und Martin Walser, Böll und Wellershoff bis zu Marcel Beyer und Norbert Gstrein - und es sind häufig gerade ihre weniger bekannten Romane, in denen Geschichte greifbar und anschaulich wird.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 20.12.2006
Dieses Buch kann man bedenkenlos an jeden leidenschaftlichen Leser im Bekanntenkreis verschenken, meint ein entflammter Paul Michael Lützeler. Nachdem man es natürlich selbst gelesen hat. Walter Hinck erfülle die selbst gestellte Aufgabe, das 20. Jahrhundert anhand von siebenundreißig ausgewählten Romanen aufscheinen zu lassen, mit Bravour. Denn Hinck sei ein Champion der Kurzinterpretation, die ihm ausnahmslos "knapp, fesselnd, pointiert" gelingen. Dass Hinck bei aller Sympathie für die vorgestellten Werke kritisch bleibt, rechnet ihm Lützeler hoch an, der das Buch offenbar zur Gänze durchstudiert hat, da er in dieser Besprechung nahezu auf jedes Kapitel kurz eingeht.
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