Vor mehr als vierhundert Jahren erfunden und sogleich als ein Missverständnis erkannt, ist das Verhältnis von Oper, Politik und Gesellschaft stets ein prekäres gewesen. Von der Entstehung des ästhetischen Denkens als einer eigenen Wissensdisziplin und seinen Herausforderungen an das politische und gesellschaftliche Denken seit dem 18. Jahrhundert in Europa reicht im ersten Teil des Buches der Spannungsbogen bis zum Nachdenken über die Stellung der Oper in der gegenwärtigen Gesellschaft. In einem zweiten Teil werden dann einzelne Opern jeweils auf ihre politischen und gesellschaftlichen Implikationen hin befragt und ein dritter Teil schließlich versammelt Arbeiten zum politisch-ästhetischen Denken Richard Wagners sowie zu Wagners geistesgeschichtlichen Verbindungen zu wichtigen Intellektuellen seiner Zeit und deren Wirkung bis in die Gegenwart.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 05.07.2005
Der bescheidene Titel täuscht, stellt Thomas Baltensweiler erst einmal klar, denn in diesem Band versammelt Udo Bermbach durchaus Gewichtiges: Aufsätze zur kulturgeschichtlichen Entwicklung der Oper und Essays zu einzelnen Werken, in denen der Autor dem fundamentalen Zusammenhang von Oper, Politik und Gesellschaft nachgeht. Sehr erhellend findet Rezensent Baltensweiler etwa, wie Bermbach die formalen Strukturen von Wagners Opern ergründet und in dessen dicht verwebten Leitmotiven "die kompositorische Übersetzung radikaldemokratischer Ideen" erkennt. So werde deutlich, dass die Umarmung Wagners durch völkisch-nationalistische Kreise eindeutig auf Unverständnis zurückzuführen sei, wie der von Bermbachs Darstellung rundum überzeugt Rezensent festhält.
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