Zehn Jahre nach den letzten Debatten um Pornographie, die mit dem Erscheinen von Catharine MacKinnos Buch ,Nur Worte' (1994) und Drucilla Cornells Replik ,Die Versuchung der Pornographie' (1995) auch in Deutschland geführt wurden, hat sich die "Kampfzone" (Michel Houellebecq) tatsächlich ausgeweitet.
Eine durchaus kontroverse Diskussion findet Rezensent Robert Defcon in diesem von Jörg Metelmann herausgegebenen Reader vor, der mit Beiträgen über die "Sexualisierung der Medien", die "Medialisierung der Sexualität" und die "Pornoisierung des Pop" aufwartet. Im Wesentlichen unterscheidet Defcon zwei Fraktionen, wobei er keinen Zweifel lässt wo seine Sympathien liegen. Kritisch erörtert er vor allem Beiträge, die das Phänomen der Pornografisierung der Popkultur nicht allzu positiv beurteilen. Mit Clemens Pornschlegels Deutung des Objektkonsums als einen defizienten, sexuell gewalttätigen, mit neoliberalem Marktkapitalismus verbundenen Modus, die Lüste zu gebrauchen, etwa ist er nicht einverstanden und hält dem Autor vor, "ins kulturlarmoyante Horn zu blasen". Insbesondere bei den einleitenden Beiträgen sieht Defcon die Tendenz, dass Porno beinahe als eine "Art Waffe des Kapitals gegen die Linke imaginiert" werde. Demgegenüber hebt er Beiträge hervor, die Porno "zu Recht" auch als ein kritisches Werkzeug sehen. Als ein Beispiel führt er in diesem Zusammenhang Rapper Eminem an, wenn er das white trash-Kleinfamilienparadies "pornoistisch" sprenge.
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