Tom Bullough

Die Mechanik des Himmels

Roman
Cover: Die Mechanik des Himmels
C. H. Beck Verlag, München 2012
ISBN 9783406629983
Gebunden, 229 Seiten, 18,95 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Thomas Melle. Im Winter 1867 erkrankt der kleine Kostja Ziolkowski an Scharlach, muss isoliert werden, überlebt im Krankenhaus, ist aber fortan fast taub. Der Sohn einer verarmten Adelsfamilie aus Rjasan entwickelt ein großes Interesse an Geschwindigkeit und Technik, an den Sternen und dem Weltraum, bastelt sich selbst ein Hörgerät und erweist sich als überaus begabt. Seine Familie schickt ihn zum Studium nach Moskau, die Entbehrungen sind groß. Doch nichts scheint Konstantin, der sich als visionäres Genie entpuppt, aufhalten zu können.
Auf einer realen Figur basierend, Konstantin Ziolkowski, dem Vater der russischen Raumfahrt, erzählt Tom Bullough die bewegende Geschichte eines Jungen und jungen Mannes, der seiner Liebe und Neigung folgt, allen Widrigkeiten trotzt und mit seinen Einsichten in visionärer Weise seiner Zeit voraus ist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.12.2012

Für Thomas Leuchtenmüller hat der neue Roman des jungen Briten Tom Bullough über den Vater der russischen Raumfahrt, Konstantin Ziolkowski, durchaus Schwächen. Eher konventionell wirkt auf ihn der Ansatz, sich der heißen Phase des Pioniers zuzuwenden, dem Zeitraum, in dem aus Ziolkowski der visionäre Konstrukteur wird, und etwa die Armut in Ziolkowskis Kinderstube ziemlich plakativ zu zeichnen und manch plumpe literarische Anleihe einzubauen. Dem Effekt entgeht der Rezensent gleichwohl nicht. Gleichsam in die Gehirnwindungen des Genies gebeamt, folgt Leuchtenmüller den Gedanken des kühnen Visionärs. Dass der Autor auf wissenschaftsskeptische Belehrungen und bloße Faktenhuberei verzichtet und sich stattdessen auf seine soliden Recherchen verlässt, gefällt ihm zudem recht gut.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.04.2012

Keinen Erfolg hat der Autor mit seiner Geschichte über die Jugend eines großen russischen Astrophysikers bei Burkhard Müller. In die Problemfalle solcher Stories über Genies als normale Menschen tappt Tom Bullough offenbar mit Wucht. Müller weiß, wo das Problem liegt: Im Graben zwischen Alltäglichem (das uns unter Umständen schnell langweilt) und den unerreichbaren geistigen Sphären, in die so eine Kindheit und Jugend vorausweist. Was genau Bulloughs Held später Geniales zur Raumfahrt beisteuert, vermag Müller jedenfalls nicht herauszulesen. Dass sich der Autor stattdessen auf das Unspezifische stürzt und auf die Darstellung eines traumhaft verschneiten Klischee-Russlands im 19. Jahrhunderts, scheint Müller als Ersatz zu wenig. Zumal das Buch ihn auch sprachlich nicht überzeugen kann, weil der Autor versucht, formale Konventionalität durch stilistischen Ehrgeiz zu verdecken.
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