Schon als Kind will Theodor Leudoldt hoch hinaus, am liebsten ganz bis zu den Sternen. Ein ambitioniertes Projekt in Zeiten des späten Kaiserreichs, doch Visionen kennen keine Grenzen. Und seine Frau und seine Tochter Ursula stehen ihm nicht nach. Ihre Fliehkraftversuche mit Tieren im Keller der Leudoldt'schen Villa lassen auf nichts anderes schließen: Ihr Ziel ist das All. Doch erst nach Kriegsende rückt die Erfüllung des Familientraums durch die Mitarbeit am US-Raumfahrtprogramm in der Raketenstadt Twickenham näher. Auch wenn Frauen für das Astronautentraining nicht zugelassen sind, das Schicksal der frühen Vögel erfüllt sich dennoch im Space Race mit den Sowjets.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 20.12.2012
Rezensent Daniel Jurjew stellt Matthias Senkel für seinen Debütroman ein gutes Zeugnis aus. Wie wir erfahren handelt es sich bei "Frühe Vögel" um die fiktive Geschichte der Raumfahrt, die uns unter anderem mit Pionieren wie dem Osmanen Lagari Hasan Celebi bekannt macht. Ziemlich turbulent geht es in dieser Geschichte zu, als roter Faden ziehen sich die seltsamen Todesumstände der Helden durch das Buch, wie wir Jurjews Darstellung entnehmen. Denn so viel macht Jurjew deutlich: Wenn mal will, kann man diesem Roman eine chronologische Handlung entnehmen, man kann aber auch an der randomisierten Form der Informationsvermittlung seine Freude haben.
Der Debütroman des in der Open-Mike-Szene bereits gefeierten Matthias Senkel ist ein schlaues Labyrinth der Formexperimente, in dessen Winkelgänge zu begeben sich unbedingt lohnt, schwärmt Rezensentin Elisabeth Forster, die schon beim Inhaltsverzeichnis, das unter anderem auch Lexikon-Lemmata, einen Comic, Interviews und eine Autobiografie aufliste, große Augen bekommt. Im Kern gehe es um eine "halb erfundene, halb tatsächliche Chronik" der Raumfahrt, um die sich eine analog zur Form labyrinthisch verwickelte Familiengeschichte ranke: Science Fiction meets Postmoderne, konstatiert die Rezensentin, die sich schon wegen des "trockenen, ironischen Tons" dieser Schilderung der "Mentalitätsgeschichte des 20. Jahrhunderts" bestens unterhalten fühlt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.05.2012
Fast ein reines Formspiel, aber nur fast, findet Wiebke Porombka. Matthias Senkels Romandebüt schrammt mutig vorbei an dem für einen Roman eher vernichtenden Urteil und bietet der Rezensentin ein Paradebeispiel der Diskontinuitäten und des Fragmentarischen, aber eben auch den altmodischen Ton des bürgerlichen Romans. Beides zusammen funktioniert laut Poromka erstaunlich gut und ergibt eine fantastische Geschichte der Raumfahrt, wie es sie so nie gegeben hat, dafür mit echten Ingredienzien. Die Rezensentin entdeckt formale Anleihen bei Joyce und Pynchon, einen Comic-Teil hat Senkel auch zu bieten und sogar ein 100-seitiges Personenregister!
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