Theodor W. Adorno

Gespräche. 6 Kassetten

Mit Ernst Bloch, Max Horkheimer, Eugen Kogon, Lotte Lenya, Arnold Gehlen, Hans Mayer
Carl Auer Systeme Verlag, Heidelberg 1999
ISBN 9783896700322
Kassette, 65,45 EUR

Klappentext

Ausgewählt und herausgegeben von Stephan Krass. Der Philosoph und Soziologe Theodor W. Adorno war in den 50er und 60er Jahren ein regelmäßiger Gast in den Abend- und Nachtstudiosendungen des Hörfunks der ARD. In den Gesprächen, die er dort mit Personen der Zeitgeschichte führte, entfaltete sich nicht selten jener Geist des Radios, der das intellektuelle Milieu der Nachkriegsära und der Wiederaufbau-Jahre kritisch prägte. Mit Bloch diskutierte Adorno den Begriff Utopie, mit Horkheimer und Kogon erörterte er die Krise des Individuums, mit Canetti sprach er über Masse und Macht, mit Lotte Lenya untersuchte er den Mythos der Zwanziger Jahre, mit Gehlen stritt er über den Begriff der Anthrophologie, mit Hans Mayer behandelte er den Fall Stefan George. Stets waren diese Radiogespräche von intellektueller Neugier, analytischer Schärfe und kritischer Gesellschaftsdiagnose gekennzeichnet. Und nicht zuletzt zeugen sie von der Wirkungsmacht eines Mediums, das erst im gesprochenen Wort seine Aura entfaltet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 27.08.2003

Im Grunde habe Adorno immer nur Vorträge gehalten, verkündet Hanns-Josef Ortheil, nachdem er sich 320 Minuten Rundfunkgespräche angehört hat, in denen der Frankfurter Philosoph mit anderen intellektuellen Schwergewichtlern seiner Zeit - Ernst Bloch, Hans Mayer und Elias Canetti, nur Lotte Lenya fällt da etwas heraus - geplaudert hat. Adorno sollte sie als Zeitzeugen befragen, erläutert Ortheil, etwa über die Zwanziger Jahre wie im Fall der Lenya. Die Gespräche verliefen meist nach dem gleichen Muster, verrät Ortheil: sein Gegenüber erzählt Anekdoten, Adorno steigt darauf ein und kommt dann so in Fahrt, dass die Interviewpartner meist keine Chance mehr hatten. Bloch grummelte nur noch in die Pfeife, Mayer funkte mit einen paar Fragen dagegen und nur Cannetti ließ sich nicht die Butter vom Brot nehmen, erklärt Ortheil: als Adorno beim 14. Kapitel seines Buches einsetzen wollte, wies er ihn zurecht und begann die ersten dreizehn zu erläutern. Was die Gesprächstechnik angeht, scheinen die Interviews nach Ortheils Schilderung ja sehr aufschlussreich zu sein und auch Herr Adorno kommt trotz Canetti ausgiebig zu Wort.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.02.2001

Wahre Schätze habe der Herausgeber Stephan Krass hier aus den Rundfunkarchiven geborgen, meint Sacha Verna. Die Gespräche Theodor W. Adornos mit Max Horkheimer, Elias Canetti, Ernst Bloch und anderen intellektuellen Größen des letzten Jahrhunderts seien heute vielleicht brisanter als zur Zeit ihrer Aufnahme in den fünfziger Jahren. Besonders hebt die Rezensentin eine Diskussion zwischen Adorno, Horkheimer und Eugen Kogon über den Begriff des Individuums und die Bedeutung institutionalisierter Macht hervor. In Zeiten der Entschlüsselung des Erbguts und etwaiger Debatten über Embryonenschutz gebe gerade Adorno jede Menge kluger Denkanstöße, so die Rezensentin. Das Hörbuch, insgesamt 320 Minuten weitgehend hochgeistige Gespräche, zeige einmal mehr, dass "klassische" Bücher mit dieser Art der Rezeption wunderbar ergänzt werden können, resümiert Verna.