Stefan Kroll

Normgenese durch Re-Interpretation

China und das europäische Völkerrecht im 19. und 20. Jahrhundert
Cover: Normgenese durch Re-Interpretation
Nomos Verlag, Baden-Baden 2012
ISBN 9783832969806
Broschiert, 230 Seiten, 59,00 EUR

Klappentext

Gegenstand der Arbeit ist die Übersetzung und Re-Interpretation des europäischen Völkerrechts in China im 19. und 20. Jahrhundert. Von 1839, dem Ausbruch des ersten Opiumkrieges, bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts, dem Ende des Regimes ungleicher Verträge, untersucht der Autor die Auseinandersetzung mit der in Europa wurzelnden normativen Ordnung des modernen Völkerrechts in China. Eingebettet in den theoretischen Rahmen soziologischer Annahmen zu Weltgesellschaft und Weltkultur leistet das Werk einen Beitrag zum Verständnis global-lokaler Wirkungszusammenhänge in langfristiger historischer Perspektive. Empirisch diskutiert der Autor qualitativ die Ausbreitung und Re-Interpretation des Völkerrechts in China und entwickelt so eine Perspektive auf die außer-europäische Geschichte des Völkerrechts und seiner Wissenschaft.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.09.2012

Der Soziologe Stefan Kroll untersucht in seinem Buch "Normgenese durch Re-Interpretation", wie das europäische Völkerrecht im 19. Jahrhundert seinen Weg nach China fand und wie es dort aufgenommen und angepasst wurde, berichtet die Rezensentin Alexandra Kemmerer. Nach fünf verlorenen Kriegen habe China begonnen, sich für die westlichen Wissenschaften und Wissensstandards zu interessieren. Durch Übersetzungen wichtiger Werke sollte die eigene Entwicklung gestärkt werden, "ohne sich dabei jedoch den Ausländern dauerhaft anzugleichen", erklärt Kemmerer. Eines dieser Werke war auch Johann Caspar Bluntschlis "Modernes Völkerrecht der Civilisirten Staten". Durch diese Aneignung habe China sich zwar auf Argumentationen innerhalb des "normativen Rahmens" des Völkerrechtes eingelassen, dessen Inhalte allerdings anders ausgelegt. Besondere Aufmerksamkeit bekam im chinesischen Diskurs beispielsweise die kritische Betrachtung des "europäisch-amerikanisch-japanischen Expansionismus". Die Rezensentin lobt Krolls Buch als Musterbeispiel interdisziplinärer Rechtsforschung: auch wenn das zentrale Interesse soziologisch sei, beziehe es Erkenntnisse aus Philologie, Geschichts- und Rechtswissenschaften ein.
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