Jörg-Uwe Albig

Berlin Palace

Roman
Cover: Berlin Palace
Tropen Verlag, Stuttgart 2010
ISBN 9783608501063
Gebunden, 224 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

In einer nahen Zukunft wird die westliche Welt ihre globale Vormachtstellung an China verloren haben. Deutsche Arbeiter verlassen die marode Heimat, um in Asien ihr Glück zu finden. Doch die Germanen sind in China nicht nur geduldet - sie sind Kult. Der Werbefilmer Ai, ein junger Chinese, begeistert sich für germanische Folklore, die sich von der "Schwalbenstadt", einem futuristischen Vorstadtslum ausbreitet. Ai liebt die Märchen der Gebrüder Grimm, er liebt die deutsche Küche und die deutsche Musik. Doch vor allem liebt er Olympia, eine junge Schauspielerin, die in ihm zwar einen Freund, aber nicht ihren Geliebten sieht. Als Ai den Auftrag für einen Werbefilm erhält, in dem Olympia die Hauptrolle spielen soll, sieht er seine Chance.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.05.2010

Jörg Magenau ist hellauf begeistert von diesem Buch. Wie Jörg-Uwe Albig unsere Chinafantasien aufs Korn nimmt und, indem er das Fremde im Eigenen spiegelt und umgekehrt, einen intelligenten, satirischen Abgesang auf den Sozialismus sowie auf die europäische Dominanz, ein Panorama Chinas im Jahr 2032 und einen "verzweifelt melancholischen" Liebesroman in einem schreibt, hat Magenau imponiert. Vor allem von Albigs Fantasie würde Magenau sich gerne ein Stückchen abschneiden, wie es aussieht. Die Geschichte um einen chinesischen Werbefilmer auf Inspirationssuche in der deutschen Kultur bleibt für Magenau bloßer Vorwand für Albigs funkelnde Einfälle und Formulierungskünste.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 17.04.2010

Nicht wirklich glücklich ist Rezensentin Lavinia Meier-Ewert mit Jörg-Uwe Albigs neuem Roman "Berlin Palace". Zwar beginnt die in nicht allzu ferner Zukunft spielende Geschichte einer chinesischen Hightech-Welt, in der Deutsche in Slums hausen und oktoberfestartige Schunkelorgien feiern, für sie vielversprechend. So fühlt sie sich an "aberwitzige Grotesken" wie Juri Andruchowytschs "Moscoviada" oder Vladimir Sorokins "Der Tag des Opritschniks" erinnert. Aber zur Mitte hin wird der Roman zu ihrem Bedauern immer flacher. Daran ändert in ihren Augen auch die "bildgewaltige Erzählweise" des Autors nichts, zumal sie zunehmend in Zweifel darüber gerät, ob es hinter Oberfläche seiner Formulierungskunst "noch etwas anderes" gibt. Kritisch sieht sie zudem die schematische Figurenzeichnung. Die "Sprachkunst" allein, die sie diesem Roman bescheinigt, vermag sie letztlich von der Qualität des Buchs nicht zu überzeugen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.03.2010

Judith von Sternburg gefällt an Jörg-Uwe Albigs neuem Roman "Berlin Palace" vor allem die "verkehrte Welt", die der Autor entwirft. Für einen "herrlich wirksamen Trick" Albigs hält es die Rezensentin, vordergründig die unglückliche Liebesgeschichte des chinesischen Werbefilmers Ai zu erzählen, um somit Ort und Zeit - das zukünftige, von flüchtigen Westlern überrannte China - nicht direkt zum Gegenstand des Romans zu machen. Viel Spaß hatte Sternburg an den Details, mit denen der Schriftsteller Chinas Zukunft als führende Weltmacht mit kommunistischem Propaganda-Erbe fingiert, in der westliche Arbeitsmigranten Zuflucht und Arbeit finden, die alle gleich aussehen und in "verlotterten Vorstädten hausen", so die Rezensentin. Wie Sternburg findet, gelingt es dem Autor eindrucksvoll, dem westlichen Leser einen Spiegel vorzuhalten, so dass er sich um andere Dinge schert als den Liebeskummer der Hauptfigur.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.03.2010

Eigentlich, so Richard Kämmerlings, liegt diesem Roman ein alter literarischer Trick zugrunde, die Darstellung der Wirklichkeit als "mundus perversus", also einer Welt, die auf dem Kopf steht. Im Vorgängerroman "Land voller Liebe" schilderte Albig den Zusammenbruch der BRD und ihr Aufgehen im siegreichen System DDR. Hier nun blickt er nach China, das im Jahr 2032 den Westen in jeder Hinsicht überrundet hat. Der Held des Buchs, ein Werbefilmer namens Li "Eisenstein" Ai ist gerade dabei, die mit Deutschland assoziierten Klischees des Hinterwäldlerischen für eine neue Kampagne auszunutzen. Auf dieser Weise verdreht Albig durchgehend das Verhältnis von Fremd- und deutscher Eigenperspektive. Und er macht das, auch wenn der Plot lange nicht recht von der Stelle kommt, nach Ansicht des Rezensenten doch sehr überzeugend. Ein "leichtes, witziges" Buch, in dem man über die eigenen Exotismusanwandlungen viel lernt, sei das nämlich allemal.
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