Atticus Lish

Vorbereitung auf das nächste Leben

Roman
Cover: Vorbereitung auf das nächste Leben
Arche Verlag, Zürich 2015
ISBN 9783716027455
Gebunden, 528 Seiten, 24,99 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Michael Kellner. Die uigurische Kriegswaise Zou Lei hat es allein und mittellos bis in die USA geschafft. Illegal eingewandert und stets auf der Hut vor den Behörden, schlägt sie sich in New York mit Küchenjobs durch. Der Soldat Brad Skinner ist gerade zum dritten Mal aus dem Irak zurückgekehrt. Traumatisiert und arbeitslos begegnet er eines Tages Zou Lei, und eine Liebe zwischen Verzweiflung und Hoffnung beginnt. Auf der Suche nach Gemeinsamkeit und Halt durchstreifen sie die Stadt, treiben Fitness bis an den Rand der Erschöpfung. Doch inmitten der vielen Kulturen, der Heimatlosen und Überlebenskünstler, der Reichen und Armen, der Verrohung und Versöhnung braut sich ein Unheil zusammen, das sie für immer auseinander zu reißen droht.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 07.03.2016

Julian Weber kann es förmlich sehen, wie sich die beiden Protagonisten aus Atticus Lishs Romandebüt, zwei Außenseiter, sie Migrantin ohne Papiere, er traumatisierter Irak-Krieger, durchs Dasein kämpfen. Wie die beiden in New York zueinanderfinden, erzählt ihm der Autor gekonnt und ohne Pathos als etwas andere Lovestory. Sog üben das New York abseits bekannter Wege und der sparsame Sound des Autors auf Weber aus. Ein starkes Debüt, findet der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.01.2016

Rezensent Christoph Bartmann wird den Verdacht der Elendsromantik nicht los beim Lesen des in den USA gefeierten Debüts von Atticus Lish. Daran, dass der Autor weiß, worüber er schreibt, wenn er zwei Tellerwäscherexistenzen, eine uigurische Muslimin ohne Aufenthaltsgenehmigung und einen traumatisierten Kriegsveteranen, sich vor dem Hintergrund eines trostlos verkommenen Queens wortkarg und hoffnungsfrei finden lässt, hat der Rezensent allerdings keinen Zweifel. Nichts Gekünsteltes oder Sensationelles entdeckt Bartmann in der abgebildeten Elendswelt des Romans, und auch die Sprache scheint ihm hautnah und schnörkellos. Allzu ungebrochen jedoch kommt ihm dieses Bild zur sozialen Schieflage der Nation daher, weil darin weder Figurenentwicklung noch eine Mehrheitsgesellschaft Platz hat.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 02.01.2016

Nicht gerade spannend findet Klaus Nüchtern den in New York spielenden und mit dem PEN/Faulkner Award ausgezeichneten Debütroman von Atticus Lish über zwei zueinander findende Fremde - sie illegale Einwanderin, er Kriegsheimkehrer. Das wäre für den Kritiker halb so schlimm, könnte er sich wenigstens für die Liebesgeschichte erwärmen. Kann er aber nicht, denn weder überzeugt Nüchtern der Tonfall, noch erkennt er eine konsequent durchgehaltene Erzählperspektive oder eine Dramaturgie. Stattdessen taumele der Roman "zwischen personalem und auktorialem Erzählen, zwischen nichtssagenden Dialogen, schiefen Bildern, übersteuertem Pathos und einer komplett aus dem Ruder laufenden Detailversessenheit". Hart geht der Rezensent mit dem Autor ins Gericht; in Nüchterns Augen ist Lish wegen seines Beschreibungsfurors "kein Romancier, sondern Requisiteur und Beleuchter".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.12.2015

Mit angehaltenem Atem hat Rezensentin Sandra Kegel Atticus Lishs Debütroman "Vorbereitung auf das nächste Leben" gelesen. Verstört folgt sie den beiden Protagonisten, der Chinesin Zou Lei, die sich aus den Slums der Taklamakan-Wüste illegal nach Amerika gekämpft hat und dem alkohol- und drogensüchtigen Irak-Veteranen Brad Skinner, der schwer traumatisiert nach New York gelangt. Eine geradezu "beunruhigende Wucht" attestiert die Kritikerin diesem Roman, der mit schmerzvoller Intimität von der Suche nach Anerkennung der beiden erzählt. Insbesondere lobt Kegel die Intensität der Sprache, mit der Lish hier eine amerikanische Gegenwart voller Rassismus, Armut und einer missglückten Einwanderungspolitik schildert. Ein wenig erschöpft ist die Rezensentin nach mehr als fünfhundert Seiten schließlich aber doch.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 17.12.2015

Atticus Lishs Roman "Vorbereitung auf das nächste Leben" erzählt die Geschichte einer chinesischen Illegalen in New York und eines Irak-Veteranen, beide ziemlich rauhe, einsame Gestalten, die sich begegnen und sich in einander verlieben, fasst Rezensent Burkhard Müller zusammen. Der Stoff ist tough, aber das besondere an diesem Buch ist seine Form findet der Rezensent: Lish hat eine Sprache für den "Zustand der wahrhaften Globalisierung" gefunden, staunt Müller, ein chaotisches "Bild ohne Linien und Konturen", in dem oft einer die Sprache des anderen nicht versteht. Das gelingt dem Autor durch Kolonnen von Wahrnehmungs-Details, die so verwirrend wirken, dass die Herausgeber der deutschen Ausgabe sich zu einem Glossar genötigt sagen, erklärt der Rezensent. Auch dem Übersetzer Michael Keller spricht Müller ein großes Lob aus. Das Spiel zwischen der englischen und der kantonesischen Sprachwelt, das Lish inszeniert hat, funktioniert auch in der Übertragung erstaunlich gut, so der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 05.12.2015

Sabine Vogel ist gebannt vom "messerscharfen" Naturalismus in diesem Roman von Atticus Lish. Nicht der Plot, von dem Vogel berichtet, hat die Rezensentin umgehauen, sondern die ungeschönte, rohe Sprache und der dem eines John Dos Passos vergleichbare Blick auf ein anderes Amerika, das dort ganz unten. Anstelle von Spannungsmomenten ist es die Hoffnung, die Vogel beim Lesen antreibt, die Hoffnung, dass die geschilderten Schicksale (eines Irak-Veteranen, einer illegalen Chinesin, den Billiglöhnern und Säufern) sich wenden mögen. Und von Lishs Empathie für diese erniedrigten Seelen würde sich Vogel gern eine Scheibe abschneiden.
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