5 CDs plus 1 mp3-CD mit insgesamt 700 Minuten Laufzeit. Eine Box mit sechs CDs lässt "Rudi Dutschke - Die Stimme der Revolution" wieder erklingen. Die Bandbreite der Beiträge ist groß: Von dem ersten Radio-Interview mit Dutschke im Dezember 1966 bis zu einer Diskussion über DDR und Sowjetunion nur einen Monat vor seinem viel zu frühen Tod an Heilig Abend 1979. Bekanntes wie die Rede auf dem Vietnamkongress findet sich auf den CDs aber auch vieles, was lange Jahre in den Archiven der Rundfunkanstalten verstaubte. So ein Interview mit Hörerfragen aus dem Jahr 1976. Oder die kämpferisch-emotionale Rede bei der Beerdigung von Dutschkes Freund und Genossen Ernst Bloch im Jahr 1977.
Rezensent Michael Sontheimer genießt die satte Portion Rudi Dutschke, die ihm der "Dutschkologe" Carsten Prien liefert: 700 Minuten Originalaufnahmen auf sechs CDs, mit Reden, Interviews und Diskussionen des 68er-Revolutionärs und begnadeten Redners. Bei der Gelegenheit wirft Sontheimer einen Blick auf das Leben des Anführers der Studentenbewegung, 1961 aus Brandenburg nach Westberlin geflohen, der als "undogmatischer Marxist" rebellierte und sich für die Gegenkultur einsetzte, sich aber stets von der RAF abgrenzte, rekapituliert Sontheimer. Vor allem aber lasse sich hier noch einmal die rednerische Verve erleben, mit der Dutschke sein Publikum (trotz Schachtelsätzen) damals wie heute begeisterte. Aber auch von anderen berühmten Rednern der Zeit unterscheide er sich: kein Zynismus, sondern "tiefe Menschlichkeit", staunt Sontheimer.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 19.08.2021
Rezensent Artur Becker lauscht den 700 Minuten Dutschke mit Spannung. Dutschkes FU-Diskussion mit Marcuse, seine Reden an der TU Berlin und am Grab von Ernst Bloch vermitteln Becker die Revolutions-Besessenheit des Mannes, sein prophetisches Potenzial und führen ein in seine Metaphorologie. Die Einführungen und Glossare in den Booklets leiten den Hörer an, eröffnen rhetorische, historische und politische Kontexte, ohne Dutschke bloßzustellen, freut sich Becker. Dutschkes Freiheits- und Menschenliebe und sein Optimismus gehen Becker ins Ohr.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.07.2021
Rezensentin Irene Bazinger versteht Bahnhof, wenn Rudi Dutschke spricht. Daran ändert auch die Aufmachung der CD-Box mit Glossar und begleitenden Texten von Gretchen Dutschke wenig. Allzu fern erscheinen ihr die Originalaufnahmen aus den Radioarchiven, einige davon Erstveröffentlichungen, allzu fern vor allem Dutschkes Beschwörungen des antiimperialistischen Kampfes, die ihr wie "Honecker auf Speed" in den Ohren klingen, floskel- wenngleich rauschhaft. Der Zauber des Augenblicks, er kann die Rezensentin leider nicht ergreifen.
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