Mit 16 Abbildungen. Gegenseitige Wahrnehmung und Einflüsse von "1968" in der Stadt und auf dem Land."1968" wurde lange als vor allem urbanes Phänomen wahrgenommen und untersucht. Die gesellschaftlichen Auswirkungen im ländlichen Raum wurden dagegen meist vernachlässigt. Wie jedoch sahen die wechselseitigen Wahrnehmungen und Einflüsse von ländlichen und urbanen sozialen Bewegungen aus? Welche Rolle spielte die junge Generation vor Ort dabei?Dieser Band nimmt nun die kulturellen Angleichungsprozesse zwischen Stadt und Land in den Blick. Dabei zeigt sich, dass die mit "1968" verbundene Jugendrevolte sich auf eine veränderte Wahrnehmung der Provinz stützte. Dieser ländliche Raum schien über die Medien aber auch durch eine höhere Mobilität und breitere Bildungsangebote stärker als je zuvor mit "der Welt" verbunden zu sein, was zugleich die Bildung einer Gegenkultur provozierte. Freiräume dafür waren im ländlich-kleinstädtischen Raum mitunter sogar leichter als in den Groß- und Universitätsstädten zu gewinnen, wie der Band vor allem an Beispielen aus Norddeutschland im Allgemeinen und am Schaumburger Land im Besonderen zeigt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.12.2020
Rezensent Joachim Scholtyseck scheint unzufrieden mit dem von Lu Seegers herausgegebenen Sammelband mit Beiträgen zu den Auswirkungen der '68er-Bewegung auf dem Land. Die Texte über das "Anderssein" im ländlichen Raum bleiben ihm allzu oft in Stereotypen stecken, anstatt zu fragen, wie groß das Interesse an Kommunen und Aktivismus jenseits von Handballverein und Chor auf dem Dorf wirklich war, oder ob Veränderungen in dieser Hinsicht nicht eine viel längere Geschichte haben und langsam vor sich gingen. Hinweise auf so einen Strukturwandel bekommt der Rezensent immerhin in einem Beitrag von Gunter Mahlerwein.
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