Rolf Lappert

Nach Hause schwimmen

Roman
Cover: Nach Hause schwimmen
Carl Hanser Verlag, München 2008
ISBN 9783446209923
Gebunden, 544 Seiten, 21,50 EUR

Klappentext

Wilbur, gerade mal 1,50 Meter groß, ist wirklich kein Glückskind: Seine irische Mutter stirbt bei der Geburt, sein schwedischer Vater macht sich aus dem Staub, und sein erstes Zuhause ist der Brutkasten. Erst als seine Großeltern ihn nach Irland holen, erfährt er, was Heimat ist. Doch das Glück währt nicht lang: Sein bester Freund kommt in die Erziehungsanstalt, und seine Großmutter Orla stirbt bei einem Unfall. Auch wenn er gern so stark wäre wie Bruce Willis: Er ist und bleibt ein Verlierer. Erst die charmante Aimee bringt ihm etwas anderes bei: Wilbur muss endlich lernen zu leben - ob er will oder nicht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 17.09.2008

"Ungeheuer" und "furchtbar traurig" war Rolf Lapperts neuer Roman für Rezensenten Guido Graf. Nicht nur die Dramatik der Handlung, auch die Intensität des Erzählstils haben Graf tief beeindruckt. Der Schweizer Autor hat ein Buch geschrieben, was sich am ehesten der US-amerikanischen Tradition des Entwicklungsromans beziehunsgweise Bildungsromans zuordnen lasse. Eine schlichtweg ergreifende tour de force biete also die Darstellung des 20-jährigen Wilbur, dem in seinem Leben so ziemlich alles widerfahren ist, was schieflaufen kann. In einer Suizidanstalt lernt der abgeklärte und bindungsängstliche Junge die Angestellte Aimee kennen, die ihm laut Graf schlussendlich "die Kraft verleiht, nach Hause zu schwimmen, zu sich selbst". Der Leser wird emotional herausgefordert, meint Graf, und vom Autor in den Bann gezogen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.08.2008

Eingenommen zeigt sich Anja Hirsch von Rolf Lapperts Roman "Nach Hause schwimmen". Sie liest das Buch über den arg vom Leben gebeutelten, sensiblen und hochbegabten Wilbur, der einige Suizidversuche überleben muss, um sich zu fangen, als einen Roman über das "Loslassen" und das "Weiterleben". Darüber hinaus sieht sie darin auch einen Familien-, Irland- und Amerika-Roman. Lobend äußert sie sich über die erzählerischen Fähigkeiten Lapperts. Sie attestiert ihm, seine episch ausgreifende Geschichte packend zu erzählen. Allerdings wäre für ihren Geschmack weniger bisweilen mehr gewesen. So findet sie, dass Lappert manchmal zu dick aufträgt: einige "Schicksalswindungen" weniger hätte ihres Erachtens genügt, um Wilburs "schuldlose Lebensmelancholie" zu vermitteln. Angesichts der vielen starken Bilder und eindringlichen Passagen aber fällt diese Kritik für sie nicht allzu negativ ins Gewicht.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 10.07.2008

Als "wunderbare Andacht an das Leben" und fast "märchenhaften Bildungsroman" feiert Rezensent Walter von Rossum diesen schrägen Roman über einen, der dauernd ertrinken möchte und seinen Leser auf diesem Weg "auf brüchigem Floß" in die Sphären der großen Kunst geleite. Der Name des Helden, Wilbur, sei ein verkürztes Anagram des Schauspielernamens Bruce Willis, dessen "Die-Hard"-Helden stets tausende Todesarten überlebten, ganz so wie Wilbur seine diversen Ertrinkenstode. Mit einigem Glück protokolliert der Rezensent, dass der Autor seinen Helden zwar durch diverse biografische Fegefeuer jagt, ihn aber nicht ans Messer irgendeines Psychologismus liefert, sondern mit großer Solidarität so nehme, wie er sei. Aus dieser Unmittelbarkeit resultiert für den Rezensenten ein großer Teil des Lesevergnügens, an dem aber auch die Abhandlung Wilburs über sein imaginäres Alter-Ego Bruce Willis großen Anteil hat. Und die Rettung, die diesem seltsamen Helden am Ende wohl zuteil wird.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.03.2008

Voll des Lobes feiert Meike Fessmann den Roman "Nach Hause schwimmen" von Rolf Lappert als erzählerisches Meisterwerk. Aus Überzeugung "unzeitgemäß, doch nicht altmodisch" sei dieses Buch, angesiedelt in den weiten Landschaften der USA, Irlands und Schwedens, das von Leid und Leben des Pech gebeutelten Anti-Helden Wilbur erzählt. Ungemein vielschichtig entwerfe der Schweizer Autor dabei eine Reihe von Loser-Charakteren, Skurrilitäten und absonderlichen Handlungssträngen, die den Leser, sofern er gewillt sei, restlos in ihren Bahn zögen. Besonders schätzt sie die dramaturgische Versiertheit Lapperts, der jedes Detail seiner Geschichte im Auge behalte, zu Recht, meint Fessman, denn im Kunstwerk habe "alles Bedeutung". Ein echtes Vergnügen sei der Roman deshalb für all diejenigen, die es nicht eilig hätten und bereit seien sich der erzählerischen Kraft des Autors zu überlassen, dann werde man am Ende auch mit einer glücklichen Wendung belohnt, so Fessmann.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.02.2008

Begeistert hat Roman Bucheli dieses Buch von Rolf Lappert aufgenommen, der mit diesem umfangreichen Roman nach zehn Jahren Abstinenz auf die literarische Bühne zurückkehrt. Er würdigt das Werk als "großen Wurf" und "mutiges Buch". Besonders bewundert er das erzählerische Können des Autors, der die Geschichte seines Helden Wilbur, eines hochbegabten Außenseiters, dessen Mutter bei seiner Geburt stirbt, während sich sein Vater aus dem Staub macht, in einem komplexen, aber immer transparenten Handlungsbogen erzählt. Angetan haben es Bucheli die beiden motivisch gekonnt miteinander verwobenen Erzähl-Stränge, die für ihn eine regelrechte Sogwirkung erzeugen. Während ein distanzierter Erzähler im ersten Strang von Wilburs Odyssee durch Kinderheime, Pflegeheime und seiner Suche nach dem Vater berichtet, erklärt Bucheli, schildert Wilbur im zweiten Strang mit eigener Stimme seinen Weg zurück ins Leben nach einem Suizidversuch. Sein Fazit: ein "wuchtiger, kraftvoll erzählter und kühn erdachter Roman".
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