Colm Toibin

Mütter und Söhne

Erzählungen
Cover: Mütter und Söhne
Carl Hanser Verlag, München 2009
ISBN 9783446230637
Gebunden, 288 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Übersetzt aus dem Englischen von Ditte und Giovanni Bandini. Geschichten von Menschen, die mit ihrem Leben zurechtkommen müssen, nachdem etwas passiert ist: Die Söhne in Toibins erstem Erzählungsband sind Diebe, Priester, Bauern, die Mütter Folksängerinnen, Alkoholikerinnen oder Geschäftsfrauen, aber alle unterhalten hochkomplizierte Beziehungen zueinander...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.06.2009

Rundum begeistert ist die Rezensentin Verena Lueken von diesem Band mit Erzählungen des irischen Autors Colm Toibin. Meisterhaft führe er hier wieder seine ganz große Kunst vor, die darin bestehe, über "Leerstellen" im Leben seiner Figuren so zu erzählen, dass er sie nicht überbetont und doch jederzeit sichtbar macht. Um Kriminelle geht es, um Kindesmissbrauch in einer Erziehungsanstalt, um eine Mutter, die verschwindet, um einen Mann, der die Großmutter, die ihn über alles liebte, verliert. Was Lueken so bewundernswert findet, ist, dass Toibin all das ohne Rückgriff auf psychologisierende Erklärungen zu erzählen versteht, dass er die Gefühle, die Nöte, auch die Leere ganz und gar in die Sprache hinein legt. Ein ausdrückliches Lob geht deshalb auch an die Übersetzer Ditte und Giovanni Bandini, die den "Reichtum" dieser Sprache ins Deutsche gerettet haben.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.04.2009

Nach Friedhelm Rathjens Einschätzung ist das Radikalste an Colm Toibins erstem Erzählungsband, dass er darin vielleicht noch konsequenter an traditionellen Erzählmustern festhält als schon in seinen Romanen. Denn liest man Toibins zehn Geschichten, die zur Hälfte aus der Sicht einer Mutter, zur Hälfte aus der Perspektive von Söhnen in erlebter Rede erzählen, könnte man glauben, dass es seit James Joyces' "Dubliners" keine literarische Entwicklung gegeben habe, so der Rezensent. Insbesondere die Söhne der Geschichten haben das  "Bemühen um Distanz" zu ihrer wichtigsten Aufgabe gemacht, und üben sich darin, möglichst wenig zu denken oder zu tun, um ihre innere Leere zu verbergen, stellt Rathjens fest. Und am Ende erkennt er in dieser Haltung auch die äußerst "raffinierte Suggestion" des Toibin'schen Erzählens, denn hinter den detailverliebten Schilderungen, den Handlungssträngen, die ins Leere führen oder dem bedeutungsheischenden "Understatement" kann der Rezensent statt Tiefsinnigkeit eben nur "Oberfläche" erkennen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.03.2009

Der Ire Colm Toibin ist in Deutschland nicht von der Kritik, aber doch vom breiteren Publikum noch zu entdecken, so der Rezensent Lothar Müller. Sein großer Roman um Henry James, "Porträt des Meisters in mittleren Jahren", erfahren wir, hat sich hierzulande nicht sonderlich gut verkauft. Vielleicht, meint Müller, kann da die im Original 2007 erschienene Erzählungssammlung nun Abhilfe schaffen. Finden sich doch alle Stärken des Autors auch auf der kürzeren Strecke. Zum einen nämlich das niemals versagende Formbewusstsein, mit dem Toibin selbst in der Nachfolge des großen Henry James steht. Zum anderen aber auch das vielleicht wichtigste Thema des kosmopolitischen Iren: die südirische Provinz als Lebensform. Subtil und unangestrengt weiche Toibin da allen folkloristischen Klischees aus und bewahre so eine große Offenheit im Detail wie auch in der Regel im Ausgang seiner Geschichten. Wiederum erweist er sich damit, so Müller, als "einer der großen Erzähler seiner Generation".
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