Robert Macfarlane

Karte der Wildnis

Cover: Karte der Wildnis
Matthes und Seitz Berlin, Berlin 2015
ISBN 9783957571014
Gebunden, 303 Seiten, 34,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Judith Schalansky. Aus dem Englischen von Andreas Jandl und Frank Sievers. Wo gibt es heute noch Wildnis, fragt sich Robert Macfarlane, als er den Straßenatlas ausbreitet und beschließt, die letzten unberührten Flecken Natur zu finden, die sich hinter den Schraffuren und Linien, Farben und Symbolen fernab der Schnellstraßen verstecken: abgelegene Inseln und verborgene Gebirge, unwegsame Moore und undurchdringliche Wälder. Macfarlane durchschwimmt brandende See und stehende Gewässer, erklimmt steile Hänge und windumtoste Gipfel, oft an den Grenzen der Belastbarkeit, um am eigenen Leibe zu erfahren, was Wildnis ist - und liest die Berichte derjenigen, die diese Orte vor ihm aufsuchten: Pilger und Philosophen, Forscher und Literaten. Was als Reise zur ungezähmten Natur begann, wird zum lebendigen Streifzug durch Raum und Zeit, der geologische wie kulturhistorische Schichten gleichermaßen durchstößt und auch vor der Wildnis der Städte nicht die Augen verschließt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.07.2015

Jürgen Brôcan kann nur staunen über den literarischen Anspruch, mit dem Robert Macfarlane das Nature Writing fortschreibt. Originelle Metaphern sind das eine, das andere ist Macfarlanes tiefes auf Neugier gegründetes Verständnis für Landschaft, erklärt Brocan. Die Frische und Aktualität des Buches resultiert für den Rezensenten aus dem Mix aus poetischer Beschreibung und essayistischer, kulturhistorischer Tiefenbohrung einerseits und echtem Entdeckergeist andererseits. Mit dem Autor auf Nachtwanderungen und Tauchgängen, auf Bergtouren und Wanderung durchs Rannoch Moor macht der Rezensent die Erfahrung, dass Vielfalt der Landschaft existiert, Wildnis noch auf dem kleinsten Areal, und dass die Nachbarschaft von Mensch und Natur möglich ist.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 27.06.2015

Gegen das Verharren in virtuellen Räumen und als Offenbarung einer Quasi-Religion des Wanderns, des Pilgerns nämlich, empfiehlt Richard Kämmerlings Robert Macfarlanes in die Stapfen der großen Naturschriftsteller steigendes Buch. In die Wildnis der Britischen Inseln geht's und in die innere Wildnis, meint Kämmerlings und folgt dem Autor in seiner Beschreibung von Landschaftsformen, Mooren, Flusstälern, Küsten. Staunend über die von Fachjargon freie Präzision und Anschaulichkeit der Naturschilderungen, entdeckt der Rezensent in dem Buch auch die Autobiografie des Autors, einen ökologischen Essay und die philosophische Abschweifung, vor allem aber die Vermessung einer Sehnsucht, die allem "Nature writing" innewohnt, meint Kämmerlings.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.05.2015

Elsemarie Maletzke musste nach dem Lesen von Robert Macfarlanes wundersamem Buch gleich in einem wilden Gewässer schwimmen gehen, derart hat sie die Lektüre inspiriert zum Erkunden randständiger Landschaft, um buchstäblich auf andere Gedanken zu kommen. Wie das geht, macht ihr der Autor mit seiner Kartografie der Wildnis vor, indem er Moore, Gipfel, Wälder im irischen Burren wandernd erkundet, in Sandkuhlen schläft und über Zeit, Beständigkeit, Transformation und die Zerstörungen der Moderne nachsinnt. Das führt laut Maletzke nicht nur zu spannenden Kombinationen, sondern auch zu Vergleichen und Formulierungen, die die mit diesem von Andreas Jandl und Frank Sievers "genussreich übersetzten" Buch reich beschenkte Rezensentin noch nie zuvor gelesen hat.