Homosexualität ist eine deutsche Erfindung - zu dieser überraschenden Erkenntnis kommt Robert Beachy in seiner Geschichte der Homosexualität in Deutschland. In seinem Buch erzählt er von den Pionieren der Sexualwissenschaft, den Debatten um gesellschaftliche Anerkennung im Kaiserreich sowie vom schwulen Eldorado Berlins in der Weimarer Zeit und holt damit ein in Vergessenheit geratenes Kapitel deutscher Geschichte ans Tageslicht. Welche einzigartigen Bedingungen im Deutschland des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts herrschten, die es zum Zentrum der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der menschlichen Sexualität machten, zeigt der Historiker Robert Beachy anhand einer Fülle an Figuren und Episoden. Vor allem Berlin mit seinem berühmten Nachtleben entwickelte sich in dieser Zeit zum Magneten für eine lebendige, internationale schwule Szene und zog Künstler wie Christopher Isherwood und W.H. Auden an, die der Zeit in ihren Werken ein Denkmal setzten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.09.2015
Steffen Siegel findet die scheinbare Schlichtheit an Robert Beachys These bestechend, derzufolge Homosexualität eine deutsche Erfindung ist. Das "andere" Berliner Panorama vom Beginn des Kaiserreichs bis zum Ende der Weimarer Republik, das Beachy entwirft, überzeugt den Rezensenten durch erzählerischen Glanz und interessante Details, etwa über die Rolle Magnus Hirschfelds für die wissenschaftliche Erforschung der Homosexualität oder die Nähe des Staates zur homosexuellen Subkultur. Die vom Autor aufgezeigten mentalitätsgeschichtlichen Linien zeigen Siegel Liberalität als fragiles Gut, das mal in der Presse, mal im Parlament verhandelt wurde.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.08.2015
Mit "Das andere Berlin" legt der Historiker Robert Beachy eine höchst interessante kulturgeschichtliche Studie über die "Erfindung der Homosexualität" vor, berichtet Rezensent Jens Bisky. Nicht die gleichgeschlechtliche Liebe, aber doch eine schwule Subkultur, eine "Daseinsform eigenen Rechts" sei in Berlin entstanden, erfährt der Kritiker, der hier etwa nachliest, dass im Italienischen der Begriff "berlinese" als Synonym für homosexuell verwendet wurde. Neben bekannten Pionieren der schwulen Emanzipation wie Karl Heinz Ulrichs oder Magnus Hirschfeld begegnet Bisky hier beispielsweise auch der weniger bekannte Gründer des Homosexuellen-Dezernats der Berliner Polizei, der für Journalisten, Ärzte oder Schriftsteller Touren zu Treffpunkten von Homosexuellen organisierte. Ein gelehrtes, berührend und "farbig" erzähltes Buch, das Geschichte und Einzelschicksale beleuchtet, schließt der Kritiker, der deshalb auch das Fehlen der Geistesgeschichte und des Sittenlebens im Ersten Weltkrieg verzeiht.
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