Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.03.2003
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts stand das Naturkundemuseum, das heutzutage besonders museal wirkt, wie Kai Michel findet, an der Spitze der Museumsreform. Vorher war es keineswegs selbstverständlich, referiert Michel aus Susanne Kösterings "eindrucksvoller" Dissertation, dass man die Bestände in eine Schau- und eine Forschungssammlung unterteilte. Diese Unterteilung bewirkte, fasst Michel zusammen, eine besondere Dynamik in der Entwicklung des Naturkundemuseums; man gab das Ideal einer vollständigen Sammlung auf und setzte stattdessen Akzente in der Tiergeografie und Biologie: Tiergeografische Gruppen wurden nach Regionen, Kontinenten etc. zusammengestellt, biologische Gruppen zeigte man hingegen in alltäglichen Situationen. Die neue Präparationstechnik der Dermoplastik erlaubte zudem ziemlich lebensechte Nachbildungen der Tiere und ihrer Umwelt. Das wiederum zog ein größeres Publikum an. Das Museum hatte erstmals ein außerwissenschaftliches Ziel, hält Michel fest. In ihren Inszenierungen der Tierwelt orientierten sich die Museumsleute häufig am Ideal der bürgerlichen Kleinfamilie, merkt Michel belustigt an; wissenschaftliche Neuerungen wurden nicht nach außen vermittelt. "Hatte man ein Naturkundemuseum gesehen," zitiert Michel die Autorin, "kannte man alle."
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