Klappentext

Herausgegeben von Barbara Hahn. Mit einem Essay von Brigitte Kronauer. Erstmals in der bis heute unveröffentlichten letzten Fassung: Eine monumentale Autobiografie in Briefen, das unaufhörliche Gespräch und Selbstgespräch der radikalen Selbstdenkerin Rahel Levin Varnhagen. Rahel Levin Varnhagen, die große jüdische Saloniere aus Berlin, unterhielt über Jahre hinweg einen lebhaften, oft leidenschaftlichen Briefwechsel mit einer Vielzahl von Freunden, Bekannten und Gästen ihres Salons, in dem Menschen unterschiedlichster Stände und Weltanschauungen zusammentrafen. Ihre Briefe fesseln noch heute durch Unmittelbarkeit und Spontaneität und sind Zeugnisse ihrer Verbundenheit mit vielen Geistesgrößen der Zeit, darunter Clemens und Bettina Brentano, Jean Paul, Kleist, die Brüder Schlegel und Humboldt, Tieck, Schleiermacher, Heine und viele andere. Gemeinsam mit ihren Aufzeichnungen bilden sie das opus magnum dieser faszinierenden Frau.
Bereits die ersten beiden Ausgaben dieses Werkes, kurz vor und bald nach Rahel Levins Tod von ihrem Mann Karl August Varnhagen von Ense herausgegeben, fanden großen Widerhall. In der Folge bereitete Varnhagen eine erheblich erweiterte Fassung zur Veröffentlichung vor ein Vorhaben, das nie verwirklicht wurde. Barbara Hahn hat es nun unternommen, die umfangreiche Ausgabe nach dem Manuskript der Sammlung Varnhagen (Krakau) zu rekonstruieren. Erschlossen werden die knapp 1600 Briefe und Aufzeichnungen durch ein Nachwort der Herausgeberin, ein kommentiertes Verzeichnis der Briefpartner, ein Briefverzeichnis sowie ein detailliertes Personen- und Werkregister. In einem einleitenden Essay stellt Brigitte Kronauer Leben und Wirken einer der bedeutendsten Frauen des 19. Jahrhunderts vor.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.04.2012

Joachim Kalka spricht für diese sechsbändige Korrespondenz eine uneingeschränkte Empfehlung, ja, eine emphatische Leseaufforderung aus. Geradezu ins Schwärmen gerät der Rezensent darüber, dass nun die schon von ihrem Mann geplante Briefedition fertig gestellt wurde, die nicht nur die unerhörte Originalität, Offenheit und Intelligenz der Salonnière der Goethezeit herausstellt, sondern auch die "tief in die deutsche Geschichte hinabführende Widersprüchlichkeit" vor Augen führt. Die Briefe der 1771 als Tochter eines jüdischen Kaufmanns in Berlin geborenen Varnhagen sind Dokumente einer rigorosen "Selbstverwirklichung", belegen die zeitlebens verfolgte Hoffnung auf eine Emanzipation der Juden und das Leiden an Antisemitismus und den Einschränkungen, die eine Frau ihrer Zeit gegenwärtigte, so der Rezensent, der auch das "kluge Vorwort" von Brigitte Kronauer lobend erwähnt. Kalka begrüßt die Ausgabe als wirkliche "philologische Bereicherung", und wünscht ihr große Aufmerksamkeit.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.07.2011

Schon Gottfried Keller attestierte Rahel Varnhagens Briefen "absolute Natur, Wahrheit und Genialität" und zugleich "Selbstverzehrung, Beschwörungssucht und Überredungslist". Rezensent Jens Bisky kann das nach der Lektüre von "Rahel. Ein Buch des Andenkens für ihre Freunde" nur unterschreiben. Umso dankbarer ist er der Rahel-Kennerin Barbara Hahn für die Herausgabe von , dass sie Varnhagens vielfältige Aufzeichnungen nun in der bisher unveröffentlichten, von Rahels Mann, Varnhagen von Ense, mit zahlreichen Notizen seiner Frau angereicherten, letzten Fassung herausgegeben hat. Hahn bleibe dabei stets dem Überlieferten treu, ohne jedoch auf neueren "philologischen Komfort" zu verzichten: Datierungsfehler wurden korrigiert, die jeweiligen Aufenthaltsorte hinzugefügt. Darüber hinaus stelle Hahn die 130 Adressaten - unter Rückgriff auf Rahels berühmte biografische Skizzen - ausführlich vor. Diese Fundgrube "hinreißender" Briefe gewährte dem Rezensenten tiefe Einblicke in die Persönlichkeit Rahels; einziger Wehmutstropfen bleibt für ihn das Fehlen einer genauen Betrachtung der Eingriffe Varnhagen von Enses.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.03.2011

Von vornherein zerstreut Rezensentin Dorion Weickmann mögliche Bedenken: Bei dieser 3000-seitigen Edition der Briefe und Selbstzeugnisse Rahel Levin Varnhagens handelt es sich keineswegs um Germanistenfutter, sondern um ein literarisches Vergnügen allererster Güte. Zuerst blätterte die Rezensentin in den verschiedenen Bänden, aber dann las er sich fest und verfolgte gespannt, wie sich Reflexionen und Tratsch, Vernunft und Leidenschaften, Freundschaften und Liebe zu einer einzigen großen Lebenserzählung verbinden. Rahel Levins Mann, der 14 Jahre jüngere Karl August Varnhagen von Ense, hatte nach ihrem Tod bereits ein erstes Andenkenbuch mit einem Teil ihrer Briefe herausgegeben, doch schon zu Lebzeiten hatte Rahel mehr sein wollen als die größte Saloniere des Berliner Geistesadels und auf eine Veröffentlichung aller Schriften gedrungen. Varnhagen hat sie zwar zusammengestellt, aber nicht an der "reaktionären Zensur" vorbei veröffentlicht bekommen. Dies hat nun die in Vanderbuilt lehrende Germanistin Barbara Hahn bewerkstelligt. Weickmann ist ihr dafür mehr als dankbar und nimmt Rahel Levins Imperativ mit: "Von der Welt müssen wir uns doch unterhalten."