Klappentext

Die Jahre 1967/68 waren eine Zeit des Aufbruchs, die Peter Schneider und viele seiner Generation als eine zweite Geburt erlebten. Schneider blättert in seinen Tagebuch-Aufzeichnungen und setzt sich mit den Hoffnungen, Utopien und Verstiegenheiten dieser Zeit auseinander. Es ist kein nostalgischer Rückblick, der da entsteht - eher ein Streitgespräch des 68-Jährigen mit dem 68er über den Frühling vor dem deutschen Herbst. Dabei wird Ernst gemacht mit dem Anspruch, alles Politische sei privat und umgekehrt. In Schneiders Darstellung verschränkt sich der weltweite Aufbruch von 67/68, der der Generation der Väter den Gehorsam verweigerte und eine neue Gesellschaft nach neuen Regeln erschaffen wollte, und eine Amour fou, die den Tagebuchschreiber womöglich mehr umwühlte als seine revolutionären Überzeugungen; der Widerstreit zwischen Künstlerehrgeiz und politischem Aktivismus; das Nebeneinander von Welterlösungsideen und tiefer persönlicher Verzweiflung; der Absturz einer historisch notwendigen Erneuerungsbewegung in persönliche ideologische Erstarrung.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.04.2008

Sehr positiv hat Rezensent Stephan Hebel dieses 68er-Buch von Peter Schneider aufgenommen. Zwar scheint er zu Beginn etwas uneins, ob er dem Autor Bescheidenheit attestieren soll, weil er sich auf Selbsterlebtes und Selbsterinnertes konzentriere, oder die Unverschämtheit, von der Epoche Besitz ergreifen zu wollen. Letztlich scheint ihm beides der Fall zu sein, schließlich wisse der Schriftsteller Schneider natürlich, dass sein "Geschichten-Buch" auch als "Geschichtsbuch" gelesen werde. Aber wie auch immer. Hebel hält Schneider zu Gute, sich selbst in dieser Geschichte zu sehen, und zwar als "großmäuligen" Kämpfer und "kleinmütiges Würmchen" zugleich, und damit sowohl der Idealisierung als auch der Pauschal-Verdammung dieser Zeit zu entgehen. Generell zeichnet sich das Buch für ihn durch eine angenehm differenzierte und auch entspannte Sicht auf die Ereignisse aus.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.03.2008

Der Debatte um 1968 widmet Stefan Reinecke gleich einen ganzen Stapel Besprechungen. Dabei sieht er den Grund für das große Engagement, mit dem diese Diskussion geführt wird, nicht in einem Bezug auf aktuelle politische Probleme. Viel mehr gehe es oftmals um die autobiografische Selbstrechtfertigung der Altachtundsechziger. Dies gilt in besonderem Maße für Peter Schneider und seine unter dem Titel "Rebellion und Wahn" erscheinende Auseinandersetzung mit den eigenen Jugendtagebüchern aus der 68er Zeit, meint Reinecke. Nicht allem, was der alte Schneider über den jungen berichtet, kann der Rezensent viel abgewinnen. Insbesondere die detaillierte Erörterung des Liebeslebens des jungen Schneider hätte er lieber nicht gelesen. Dabei finden sich in dem Band jedoch auch interessante Anekdoten, und auch Schneiders Urteil über die Achtundsechziger sei vergleichsweise ausgewogen, lobt der Rezensent. Allerdings trage die Grundanlage des Buches nur im Ansatz. Bald schon weicht die distanzierte Betrachtung des Jungen durch den alten Schneider der "ausschweifenden Selbstüberschätzung", bemängelt Stefan Reinecke.