Joschka Fischer

Die rot-grünen Jahre

Deutsche Außenpolitik - vom Kosovo bis zum 11. September
Cover: Die rot-grünen Jahre
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2007
ISBN 9783462037715
Gebunden, 448 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Die sieben Jahre der rot-grünen Regierungszeit von 1998 bis 2005 sind schneller als erwartet zum Gegenstand zeitgeschichtlicher Erinnerung und Bewertung geworden. Joschka Fischer hat als Außenminister und Vizekanzler die Politik der Regierungskoalition entscheidend geprägt und getragen. In seinem autobiographischen Buch stellt Joschka Fischer die Außenpolitik in diesen Jahren tiefster weltpolitischer Umbrüche dar, schildert die Krisen vom Kosovo bis zum 11. September, von Afghanistan bis zum Irak-Krieg. Er zeichnet eindringlich die historischen Entscheidungssituationen nach, denen sich die Regierung ausgesetzt sah, porträtiert die internationalen Akteure von George W. Bush bis zu Jassir Arafat oder Kofi Annan und analysiert die Bedrohungsszenarien vom Nahen Osten bis zum pakistanisch-indischen Konflikt. Hinzu kommen die Auseinandersetzungen über den EU-Beitritt der Türkei, die Reform der UN, die Russland- und Chinapolitik. Eingebettet sind diese Erinnerungen in die wichtigsten innenpolitischen Ereignisse und Krisen der Zeit, parteipolitische Kämpfe und die Kontroversen etwa um die Visa-Politik und die 68er-Vergangenheit von Joschka Fischer.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.10.2007

Rezensent Wolfgang Taus beschränkt sich in seiner Besprechung des ersten Bandes der Memoiren des großen Grünen Joschka Fischer im wesentlichen aufs Referat. Geschildert wird der Werdegang des Politikers vom linken Sponti zum "gnadenlosen Realisten", der in seiner Karriere selbst Parallelen zum SPD-Politiker Herbert Wehner sieht. Da es in dem Buch nur um die rot-grünen Regierungsjahre geht, stehen die Causa Lafontaine, die Kriegsfrage Kosovo sowie der 11. September im Zentrum.  Taus bescheinigt dem Autor Fischer "schonungslose Offenheit", "Witz und Ironie". Kritische Anmerkungen hat er nicht zu machen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.10.2007

Sehr sachlich und ausgewogen berichtet der CDU-Außenpolitiker Eckart von Klaeden über Joschka Fischers ersten Band seiner Erinnerungen an die rot-grünen Jahre, mit ihm als deutschen Außenminister. Er sieht es als historische Leistung Fischers, die Grünen in die Kontinuität der Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland geführt zu haben. Abgesehen von der Bekundung einer gewissen Distanz zu seiner Partei erfährt man in Klaedens Augen nicht viel Neues über Fischers Verhältnis zu den Grünen. Erhellend scheint ihm in diesem Kontext Fischers Schilderung seines Verhältnisses zu Christian Ströbele und Andrea Fischer. Die zentralen Kapitel über den Kosovokrieg haben Klaeden insgesamt überzeugt. Allerdings fallen ihm die Einordnung des Kosovokonfliks und Einschätzung seiner Bedeutung trotz der eingehenden Darstellung etwas zu dürftig aus. Sehr zufrieden ist Kleaden dann wieder mit den Ausführungen zu den komplexen Entscheidungsprozessen im Blick auf eine europäische Verfassung. Abschließend hebt Klaeden Fischers Eingeständnisse eigener Fehler als teilweise "bemerkenswert selbstkritisch" hervor.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.10.2007

Nils Minkmar bekundet in der FAZ am Sonntag in einer langen Besprechung von Joschka Fischers Buch über die "rot-grünen Jahre" Wohlwollen und Sympathie für den ehemaligen Außenminister. Anders als die meisten anderen Politiker-Bücher kann er dieses Werk sowohl erzählerisch als auch politisch immer ernst nehmen. Er konstatiert bei Fischer eine gewisse Distanz zum Erlebten, bescheinigt ihm, seine politischen Ansichten und Entscheidungen überzeugend darzustellen, und schätzt die eindringliche Schilderung der vielen Konflikte während seiner Amtszeit, insbesondere des Kosovokonflikts. Das eigentlich Thema Fischers, seine eigentliche Passion, sieht Minkmar aber in den Wandlungen, die er durchlaufen musste: vom Pazifisten zum Kriegsherrn, vom Sponti zum Minister, vom hessischen Grünen zum weltweit gefragten Politiker. Dass dies nicht immer leicht war, dass der permanente Druck, die Last der Geschichte, die zahllosen schlaflosen Nächte ihren Tribut forderten, bezeugen für Minkmar die immer wieder hörbaren Seufzer Fischers, die in diesem Buch "alle anderen menschlichen Laute" übertönen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.10.2007

Weidlich enttäuscht hat der Rezensent Thomas Speckmann, Politikwissenschaftler und Referent in der Staatskanzlei von NRW, Joschka Fischers Erinnerungen an seine Jahre als deutscher Außenminister aus den Händen gelegt. Vornehmlich deshalb, weil dieser erste Teil am 11. September 2001 endet, also "da, wo es spannend wird". Speckmann meint dies aber nicht nur im globalpolitischen Sinne; ihn hätte vor allem interessiert, wie Fischer sich und seinen Lesern die unterschiedliche Haltungen der rot-grünen Regierung in Bezug auf den Kosovo und den Irak erklärt. Denn der Krieg gegen Serbien ist in Speckmanns Augen ebenso ein "völkerrechtswidriger Angriffskrieg" gewesen wie der der USA gegen den Irak. Doch im Fall Kosovo argumentiere Fischer noch ganz nonchalant, dass "neue Wege gegangen" werden mussten, da der Sicherheitsrat leider blockiert gewesen sei. Einen solchen Satz, spottet Speckmann, hätte mal sein amerikanischer Kollege aussprechen sollen. Ebenso schleierhaft bleibt dem Rezensenten, wie Fischer ausgerechnet Darfur und Ost-Timor als Beispiele aufführen kann, um eine gewachsene Interventionsbereitschaft zur positiven Folge der Kosovo-Intervention zu erklären.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 04.10.2007

Joschka Fischers Buch über seine Außenpolitik während der rot-grünen Jahre scheint Rezensent Stefan Reinecke für eine Politikerautobiografie gar nicht so übel. Den Diplomaten-Jargon, in den der Ex-Außenminister immer wieder verfällt, findet er zwar ziemlich dröge, wenngleich auch aufschlussreich, zeigt es doch, "wie intensiv der Code der Macht Fischer ge- und verformt hat". Aber verglichen mit den Memoiren Kohls und Schröders ist das Buch in seinen Augen geradezu ein "Feuerwerk an Eloquenz und Lebendigkeit." Er sieht Fischer sich als Realisten darstellen, der seine nervende und verträumte Partei immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Zudem schimmert in dem Buch für Reinecke ein Bildungsroman über den Aufstieg zur Macht durch. Am interessantesten ist seines Erachtens die Schilderung der Eskalation im Kosovo-Konflikt und der diplomatischen Versuche, den Krieg zu verhindern. Hier gewinnt er den Eindruck von einem Politiker, "der im Strudel der Ereignisse versucht, das Schlimmste zu verhindern". Fischers Verdienst sieht er in der Einbindung Russlands. Allerdings hält er Fischer vor, zu schweigen, wo es weh tun würde. So vermisst Reinecke kritische Worte zum Bombenkrieg und eine überzeugende Auseinandersetzung damit, dass der Kosovokrieg faktisch ein Angriffskrieg und Bruch des Völkerrechts war.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.10.2007

Gunter Hofmann sieht im ersten Band von Joschka Fischers Erinnerungen, der die deutsche Außenpolitik in den Jahren zwischen dem Kosovo-Krieg und dem 11. September 2001 in den Mittelpunkt stellt, die "fast vergessenen Jahre" der Anfangszeit der rot-grünen Koalition wieder lebendig werden. Weil es in dieser Zeit insbesondere in der Außenpolitik hoch her ging, findet es der Rezensent nur gut, dass sich der ehemalige Außenminister auf die internationale Politik konzentriert und nur selten auf innenpolitische Debatten Bezug nimmt. Während er in seinem Rückblick bei außenpolitischen Niederlagen auch stets die Contenance behält, wie Hofmann findet, schleiche sich bei der Schilderung innerparteilicher Querelen mitunter ein etwas weinerlicher Ton ein, parteipolitische Siege dagegen würden genüsslich rekapituliert. Insgesamt aber hat der Rezensent diese Erinnerungen an sieben bewegte Jahre in der deutschen Außenpolitik mit erkennbarem Vergnügen gelesen und ihm ist besonders positiv aufgefallen, dass es dem Grünen-Politiker dabei ohne jede Arroganz gelingt, diese äußerst bewegte Zeit eindrücklich ins Gedächtnis zu rufen.