Peter Braun

Ilse Schneider-Lengyel

Fotografin, Ethnologin, Dichterin. Ein Porträt
Cover: Ilse Schneider-Lengyel
Wallstein Verlag, Göttingen 2019
ISBN 9783835333901
Gebunden, 284 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Mit Abbildungen. Eine Künstlerin zwischen Bauhaus, Surrealismus und Gruppe 47. "Die kleine Spanne Spiel bleibt" lautete das Credo von Ilse Schneider-Lengyel (1903-1972). In den 1920er Jahren gehörte sie zu jenen Frauen, die in die Moderne aufbrachen: Sie erlernte die Fotografie, studierte Ethnologie und Kunstgeschichte, verkehrte in den Kreisen des Bauhauses und veröffentlichte 1934 ihren ersten Kunstbildband über die Maskenkunst indigener Kulturen, orientiert am "Neuen Sehen" von László Moholy-Nagy. Doch die Nationalsozialisten zerstörten diesen Lebensweg. Die Ehe mit dem ungarisch-jüdischen Maler László Lengyel zwang sie ins Exil nach Paris. Dort geriet sie in den Bann der abstrakten Malerei in der Nachfolge Theo van Doesburgs und des Surrealismus. Neben die Fotografie trat nun ihr literarisches Schreiben. Es führte sie in ganz unterschiedliche Bereiche: Sie verfasste surrealistische Lyrik, schuf freie Nachdichtungen indigener Balladen, ein politisch-existentialistisches Drama über die atomare Bedrohung und einen grotesken, ethnologisch inspirierten Roman über Pygmäen und Zwerge. Trotz guter Kontakte zur Gruppe 47 - in ihrem Haus am Bannwaldsee fand das erste Treffen statt - konnte sie jedoch einen Großteil ihrer Texte nicht veröffentlichen. Auf Grundlage des erst spät entdeckten Nachlasses zeichnet Peter Braun ein Porträt der Künstlerin und ihres vielschichtigen, noch zu entdeckenden Werkes. Er präsentiert eine Fülle von Dokumenten und Material und erschließt die Kontexte, in denen sich Ilse Schneider-Lengyel bewegte.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 31.05.2019

Vielleicht war Ilse Schneider-Lengyel interessanter als alles, was die Gruppe 47 hervorgebracht hat, deren Gastgeberin für das erste Treffen sie war. Tatsächlich hat sie mit den Mitgliedern dieser Gruppe später wohl kaum noch etwas zu tun gehabt. Rezensent Helmut Böttiger ist absolut fasziniert von dieser Person, die in München, Paris und Berlin studierte, sich mit Lyrik, Fotografie und Ethnologie befasste  und sich mit einer Selbstverständlichkeit zwischen diesen Welten bewegte, die den meisten Deutschen exotisch vorkommen musste, meint Böttiger. Peter Braun hat dieses Leben, das in Armut und Wahnsinn endete, "atmosphärisch dicht und sehr instruktiv" beschrieben, lobt Böttiger, der hier ein "geheimes Zentrum" deutscher Kultur wittert, das noch kaum erforscht ist.