Irene Gammel

Die Dada Baroness

Das wilde Leben der Elsa von Freytag-Loringhoven
Cover: Die Dada Baroness
Edition Ebersbach, Berlin 2003
ISBN 9783934703575
Gebunden, 256 Seiten, 34,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von C. Kotte. Die Straßen von Berlin, München und New York waren ihre Bühne, Dada war der Name ihres Programms. Lange vor Punk, Performance-Kunst und Andy Warhol erschuf Elsa von Freytag-Loringhoven ihr größtes Kunstwerk - sich selbst. "Autos und Fahrräder haben Rücklichter. Warum nicht ich?", fragte sie und nähte sich ein blinkendes Licht an das Gesäßpolster ihres Kleides. Mit Briefmarken auf den Wangen, goldenen Karotten auf dem Kopf und Papageienfedern als Wimpern stakste sie die Fifth Avenue entlang. Elsa von Freytag-Loringhoven (1874-1927), "Dada's Mama", machte aus Müll Kunst, und das lange vor Marcel Duchamp, mit dem sie befreundet war. Ihre erotischen Gedichte, veröffentlicht in der Avantgarde-Zeitschrift Little Review, lösten heftigere Reaktionen aus, als der gleichzeitig gedruckte Ulysses von James Joyce. Geschätzt und gefürchtet, wurde sie jedoch vor allem für ihre sexuell aufgeladenen, oft umstrittene Auftritte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 31.12.2003

Auf eine persönliche Bekanntschaft mit Elsa Plötz, der späteren Baronin von Freytag-Loringhoven, würde sie jederzeit verzichten, gesteht Katharina Rutschky, auch wenn die Dame mit dem ausschweifenden Lebensstil große Faszination ausstrahlt. Eine Faszination, der die Autorin dieser Biografie , die in Kanada lehrende Literaturwissenschaftlerin Irene Gammel, ihrer Meinung nach erlegen ist. Rutschky empfiehlt darum Gammels Buch über die "Dada Baroness" gegen den Strich zu lesen. Überhaupt hält sie Gammels Enthusiasmus für eine "lässliche Sünde", meint allerdings, dass sie die Egozentrik und Selbststilisierung Elsa von Freytag-Loringhovens als Künstlerin verkannt habe. Rutschky bezeichnet sie als eine "Volkskünstlerin", ein Begriff, den sie von den Berliner Künstlern Andreas Seltzer und Dieter Hacker übernommen hat. Eine Volkskünstlerin verfolgt ihre Störungen und Obsessionen mit solcher Energie, präzisiert Rutschky , dass ihr ganzes Leben zum "Quasi-Werk" wird. So jemand besitze für andere Künstler eine nicht zu unterschätzende Bedeutung - ihr zufolge benutzten Man Ray und Marcel Duchamp die Baroness als Medium zur Provokation moralischer und ästhetischer Konventionen - , aber eine Künstlerin im eigentliche Sinne war die Baronin nicht, schließt Rutschky. Ein großes Lob gebühre der Verlegerin Marie Ebersbach, die sich in mageren Zeiten einen so luxuriösen Beitrag zur Geschichte der weiblichen Künstlerboheme leiste.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.11.2003

Der Rezensent Jürgen Bräunlein ist fasziniert von der exzentrischen Figur der Baroness Elsa von Freytag-Loringhoven, der berühmtesten "amerikanischen Dadaistin", der Irene Gammel jetzt eine Biografie gewidmet hat. So sehr fasziniert, dass er die "verrückte Biografie" gleich an den Leser weitergibt. Nicht nur die Muse einiger großer Künstler sei Elsa gewesen, sie habe auch selbst geschrieben - "kryptisch und erotisch aufgeladen" - , habe aber vornehmlich mit aufsehenerregenden Performances den Bürgerschreck gespielt, und sich etwa den Kopf "rasiert und zinnoberrot lackiert" oder sei mit skurrilen Objekten behängt durch die New Yorker Straßen gewandelt. Immer wieder, so der Rezensent, habe sie ihren androgynen Körper zum Kunstwerk gemacht. Doch nicht nur das: Zeitgleich zu Duchamps "Fountain" habe sie eine die Skulptur namens "Gott" geschaffen, "ein gusseisernes gebogenes Stück Rohr, das leicht schräg auf einen Zimmermannskasten montiert war". Sie selbst, so Bräunlein, sah sich als "kulturelle Aristokratin im demokratisch-flachen Amerika".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.10.2003

Seit 75 Jahren unter der Erde und nicht totzukriegen: "Elsa, die Unglaubliche, Dadas deutsche Großmutter, die kahlgeschorene Baronin von Freytag-Loringhoven". Elisabeth Wehrmann begrüßt von Herzen die internationale Wiederentdeckung der "wilden Frau", und so auch dieses schöne Buch, das ihre Geschichte erzählt: ein Arbeiterkind, das nach Berlin geht, die "sexuelle Revolte" probt, im Münchener George-Kreis Einzug hält und 1910 nach Amerika geht; eine "dadaistische Artistin der gebrochenen Worte", eine Sammlerin, eine "Designerin, die aus dem Müll schöpfte". Danke, ruft Wehrmann der Autorin und den Frauen vom Verlag zu - danke für "ein hinreißendes, schräg-schillerndes Buchkunstwerk"!